Evangelische Kirchengemeinde hat bei Sanierung des Gotteshauses einen Einflug für Falken offen gelassen

Junge Turmfalken in der Löhlbacher Kirche

Sechs junge Turmfalken schlüpften vor wenigen Tagen im Turm der Löhlbacher Kirche. Fotos: sr

Haina-Löhlbach - Sechs junge Turmfalken schlüpften vor wenigen Tagen in der Turmspitze der Löhlbacher Kirche. Mit lauten „Sri-sri-sri“-Rufen machen die Greifvögel tagsüber auf sich aufmerksam.

Die evangelische Kirchengemeinde übernimmt Verantwortung für die Schöpfung. Bei der Sanierung des Gotteshauses wurde in der Turmspitze ein Einflug für Falken offen gelassen. Pfarrer Dr. Sebastian Renz freute sich, als Anfang Mai ein Falkenpaar den Brutplatz auf einem Brett oberhalb der vier Glocken bezog. Während der Balz waren die Vögel sehr aktiv und ließen ihre lauten Rufe erklingen. Ende Mai erfolgte die Eiablage. Es wurde ruhiger am Kirchturm. Das Weibchen bebrütete die sechs Eier. Das am hellgrauen Kopf zu erkennende Männchen schleppte tote Mäuse zum Füttern heran. Nach 28 Tagen schlüpften sechs Jungvögel mit einem dichten weißen Flaum.

Derzeit sind die beiden Altvögel damit beschäftigt, Nahrung heranzuschaffen. Außer Mäusen fangen Turmfalken auch Heuschrecken und andere größere Insekten. Gut einen Monat dauert die Aufzucht. Ende Juli werden die Jungvögel ihre ersten Flugversuche unternehmen. Sie bleiben noch mehrere Wochen am Brutplatz bei ihren Eltern und suchen sich im Herbst ein eigenes Revier.

Turmfalken, die wegen ihres charakteristischen Beuteflugs auch als „Rüttelfalke“ bezeichnet werden, gehören zu den häufigsten Greifvögeln in Wal-deck-Frankenberg. Ihre Brutplätze beziehen sie nicht nur in hohen Gebäuden, sondern auch in verlassenen Krähen-nestern in Bäumen. Im Frankenberger Land brüten sie in mehreren Gotteshäusern. Der höchste Brutplatz befindet sich im Turm der Frankenberger Liebfrauenkirche, wo Ende Mai ebenfalls sechs Jungvögel schlüpften. Die hohe Zahl gilt als Beweis für hohe Mäuse-populationen in diesem Jahr.

Beim Erntedankgottesdienst will der Naturschutzbund (NABU) der evangelischen Kirchengemeinde die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ verleihen, die bundesweit für die Schaffung von Lebensräumen für Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen oder Turmfalken in Kirchen vergeben wird. Informationen zu den „Kirchgängern“ gibt es in einem kleinen Faltblatt, das in der Löhlbacher Kirche ausliegt.

Von Frank Seumer

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