23-jähriger Frankenberger verurteilt

Junger Mann verteilt im Vollrausch Kopfnüsse

Frankenberg - Weil er Widerstand gegen Polizisten geleistet und dabei einen Beamten verletzt hat, musste sich ein 23-Jähriger aus Frankenberg vor dem Amtsgericht verantworten.

Zu einer Freiheitsstrafe von neun Monate verurteilte Richterin Andrea Hülshorst den 23-jährigen Frankenberger nach der Verhandlung jedoch aus einem anderen Grund: „Fahrlässiger Vollrausch“.

In der Verhandlung im Frankenberger Amtsgericht machten sich Richterin, Staatsanwältin, Verteidiger und eine Sachverständige der Gießener Rechtsmedizin ein Bild davon, in welchem Zustand sich der Angeklagte in der Nacht von Pfingstsamstag auf Pfingstsonntag dieses Jahres befunden hatte. Den Anklagevorwurf bestätigten die Aussagen der zehn Zeugen.

Am 27. Mai hatte der Angeklagte nach eigener Aussage gegen 18.30 Uhr mit dem Trinken von Alkohol wie Schnaps, Jägermeister, Wodka und Rum begonnen - laut eines Freundes sogar bereits um 14 Uhr. Schon am Morgen habe er außerdem Hasch geraucht und mittags „zwei Nasen Speed genommen“.

In der starken Konzentration von Alkohol und Drogen sowie deren Mischung sahen die Freunde des 23-Jährigen und auch sein Bewährungshelfer die Gründe für den nächtlichen Vorfall: Nachdem der Angeklagte von Freunden im Anschluss an den Pfingstmarkt nach Hause gebracht worden war, versuchte er nach Aussage seiner Mutter zweimal, sich aus dem Fenster zu stürzen und sich dadurch das Leben zu nehmen. Nur mit Mühe hätten sie, ihre Tochter und zwei seiner Freunde ihn davon abhalten können, weil er sich immer wieder losriss und kaum zu beruhigen gewesen sei.

„So einen Ausraster hat er noch nie gehabt“, sagte seine Mutter. Auch seine Schwester bestätigte, sie habe ihn noch nie so erlebt, und sie habe den Eindruck gehabt, er hätte sie nicht mehr erkannt. Ähnliche Eindrücke bestätigten auch seine Freunde. Die Schwester habe daraufhin einen Krankenwagen in der Hoffnung gerufen, ihr Bruder würde eine Beruhigungsspritze bekommen. Die Polizei wurde ebenfalls verständigt. Einer der Polizisten erläuterte, das geschehe oftmals automatisch, wenn ein Krankenwagen gerufen wird.

Prellung am Jochbein

Die vier Beamten sagten aus, dass sie der Angeklagte beschimpft habe, als sie bei ihm zuhause eintrafen, und sich gewehrt habe, als sie ihm eine Handfessel anlegen wollten. Dabei habe er bereits versucht, einem 41-Jährigen Polizeibeamten eine „Kopfnuss“ zu geben - doch der wich noch rechtzeitig aus. Weniger Glück hatte sein 40-jähriger Kollege: Als sie ihn abführen wollten, traf der 23-Jährige mit seinem Kopf den Geschädigten am Jochbein, woraufhin dieser eine schmerzhafte Prellung erlitt.

Die Sachverständige erläuterte, dass die Kombination von THC - dem Wirkstoff von Haschisch - Amphetaminen wie Speed und Alkohol aggressiv wirken könne. Ebenso schloss sie eine „drogeninduzierte Psychose“ nicht aus.

Erst zwei Monate zuvor war der Angeklagte wegen einer ähnlichen Straftat verurteilt worden. Außerdem ist er einschlägig vorbelastet. Hülshorst setzte seine Strafe daher nicht mehr zur Bewährung aus. Allerdings hat der junge Mann die Möglichkeit, eine Therapie zu machen, die auf die Zeit der Haftstrafe angerechnet werden kann.

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