Kabarettist Philipp Scharri forderte in Frankenberg „kreativen Ungehorsam“

Wortgewandt, witzig, verwegen: Schnell eroberte in der Frankenberger Ederberglandhalle der Kabarettist und Wortakrobat Philipp Scharri die Sympathien der Zuschauer. Links als Rapper, rechts als Hippie verkleidet. Fotos: Völker

Frankenberg. Nein, er lässt sich so leicht in keine Kabarett-Schublade stecken. Er ist Wortkünstler, Comedian, Poetry-Slammer, „Dichter und Stänker“ - Philipp Scharri kann alles.

Und überhaupt: „Denken in Schränken macht selber beschränkt“, ruft Philipp Scharri den Frankenbergern zu, als er als Gast des Kulturrings die Bühne der Ederberglandhalle betritt. Es ist ein Wiedersehen mit Frankenberg nach zwei Jahren, und er hat schnell mit seinem genreüberschreitenden Aufruf zum „Kreativen Ungehorsam“ die Sympathien der Leute wieder auf seiner Seite.

Philipp Scharri ist studierter Germanist, nennt sich selbst aber bescheiden „Reimwerker“, bastelt mit Sprache, hat Syntax und Semantik im Hinterkopf, wenn er zwischen Häuser-Zeilen durch eine Baustelle der Metaphern reist: Seinen Wortbildern schleuderte er auf der Bühne der Ederberglandhalle den Originalton des Presslufthammers entgegen, die Birne zum Abriss steht bereit, außerdem: „Bauherr sucht Frau“.

Schon seine T-Shirts sind Parodien, erst recht seine Brillen und Outfits als Gangsta-Rapper und Blumenkind-Hippie. Scharri bekommt jubelnden Beifall für seinen gerappten „Hippie-Hop“, für sein Lied über das „Artensterben“ der Diktatoren, Tyrannen und sonstigen Bösewichter, von ihm selbst am Flügel begleitet.

„Kreativer Ungehorsam“ - das bedeutet für Philipp Scharri nicht nur, aus den Schablonen-Schubladen zu steigen und mit einer Prise Witz gegen den beschränkten Alltag querzudenken. Auch dem unfreundlichen Kellner ein Trinkgeld zu geben, am Briefkasten mit dem Zettel „Bitte keine Rechnungen!“ den Postboten zum Verzweifeln zu bringen und mit einem unkorrekten Lied gegen die „Political Correctness“ anzusingen, gehört zu Scharris effektvoll skurrilen Wortappellen. Politiker nennt er „Aufsteiger mit begrenzter Wahrheitskompetenz“, die Warteschlange vor der Arbeitsagentur beschreibt er aus der Perspektive eines finsteren Dark-Lords und er macht sich lustig über inkompetente Service-Firmen für kaputte Elektrogeräte.

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Karl-Hermann Völke

Quelle: HNA

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