Hatzfelds Rathauschef Uwe Ermisch nach 24 Jahren aus dem Amt verabschiedet

Kahl: Kein Absolvent der Diplomatenschule

+

Hatzfeld-Reddighausen - Ein „Bürgermeister mit Ecken und Kanten“, aber auch ein Verwaltungsexperte, der in 24 Jahren in Hatzfeld viel bewegt und die Stadt nach vorne gebracht habe: So beschrieben die Gäste den scheidenden Bürgermeister Uwe Ermisch in der Abschiedsfeier. Seine Zukunftspläne verriet der 52-Jährige auf die für ihn typische Art.

„Ich wusste gar nicht, dass ich so gut bin“, sagte der 52-jährige Noch-Bürgermeister in bester Ermisch-Manier über die Dankesreden der Gäste und zog auch selbst eine positive Bilanz. „Es wurde nicht ein Stillstand verwaltet.“ Das sei nur durch politische Vernetzung möglich gewesen, erklärte er. Ermisch dankte seinen Mitarbeitern. „Ich weiß, dass die Arbeit mit mir nicht immer einfach war.“

Sein Dank galt den politischen Gremien. Uwe Ermisch nutzte seine Abschlussrede zum Seitenhieb auf seinen Nachfolger Dirk Junker: Zum kommunalen Schutzschirm sei im Dezember der Vertrag mit dem Land geschlossen worden. Das Stadtparlament habe ein Maßnahmenpaket abgeschlossen. Im Juni müsse dem Regierungspräsidium erstmals Bericht erstattet werden. „Es gibt Beschlüsse. Diese Beschlüsse verlieren nicht mit dem Amtswechsel ihre Gültigkeit“, sagte Ermisch. Hintergrund ist, dass Junker zu den Maßnahmen, die Hatzfeld aus den Schulden führen sollen, andere Vorstellungen hat.

Vom Parlament gewählt

Am 1. Mai 1989 war Uwe Ermisch vom Parlament gewählt worden. Er war damals 28 Jahre alt und der jüngste Bürgermeister in Hessen. Unter den SPD-Gegenkandidaten war damals auch Harald Plünnecke, der wenig später Bürgermeister in Vöhl wurde und wie viele weitere Kollegen an der Sondersitzung des Stadtparlaments teilnahm. Unter den 150 Gästen im Gasthaus Zum Edertal in Reddighausen waren Freunde und Familie, jetzige und ehemalige Kommunalpolitiker, Vertreter anderer Gremien und Gruppierungen von Feuerwehr über Schule, Kirchengemeinde und der Regionalen Planungsversammlung Nordhessen, der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl und Landrat Reinhard Kubat.

Das Parlament hatte beschlossen, Ermisch zum Ehrenbürgermeister zu ernennen. Die Urkunde überreichten Parlamentschef Arno Reitz und der Erste Stadtrat Gerhard Kerstein (beide Bürgerliste Reddighausen) am Freitag. „Die Auszeichnung ist ein Zeichen, dass ich in 24 Jahren nicht so viel falsch gemacht habe“, sagte Ermisch. Er habe seine Arbeit mit viel Freude gemacht und sei kein „Spielball von Vertretern von Interessensgruppen“.Durch die jüngste Bürgermeisterwahl seien Gräben zwischen den Stadtteilen aufgerissen worden, warnte er. „Kirchturmdenken hilft nicht weiter.“ Er rechnet mit einer neuen kommunalen Gebietsreform in den nächsten Jahren. Er dankte seiner Frau Kristina und Tochter Eva. Sie hätten oft unter seiner Arbeit leiden müssen und seien teils auch aus der Bevölkerung angegangen worden. „Ein bisschen mehr Toleranz und Gelassenheit würde dazu beitragen, das Leben hier noch lebenswerter zu machen.“

„Scheide nicht aus Leben“

Arno Reitz verwies auf einen Ausspruch, den Ermisch in den vergangenen Monaten häufig gebraucht hatte: „Ich scheide aus dem Amt und nicht aus dem Leben.“ Der Parlamentschef nannte als seine persönlichen Top-Punkte in Ermischs Amtszeit den Bau des 2,55 Millionen Euro teuren Radwegs. Es sei ein Verdienst des Bürgermeisters, dass die Stadt nur 700 000 Euro zahlen musste und 73 Prozent der Kosten über Zuschüsse finanziert wurden. Ähnliches gelte für den Mitte der 90er Jahre gebauten Kindergarten. Er kostete 2,4 Millionen Mark (rund 1,2 Millionen Euro). 65 Prozent trug das Land, zehn Prozent der Kreis. Dritter Punkt in Reitz‘ Rangliste war die neue, zwölf Millionen Euro teure Kläranlage im Jahr 2008. Auch dafür bekam die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent.Daneben fielen in Ermischs Amtszeit die Dorferneuerung in allen Ortsteilen, neue Fahrzeuge und Gerätehäuser für die Feuerwehren, die Ringleitung zur Sicherstellung der Wasserversorgung und die Ausweisung des Gewerbegebiets Oberau in Hatzfeld und Struthfeld in Reddighausen – allein im Struthfeld seien 100 Arbeitsplätze entstanden.

„Nicht alles kindgerecht“

Die gute Bilanz bestätigte Landrat Reinhard Kubat. „Ich habe Uwe Ermisch als hochintelligenten Bürgermeister kennengelernt. Er ist ein ausgesprochener Verwaltungsfachmann.“ In jedem Gespräch habe man gespürt, „wie ernst er seine Aufgabe genommen hat“. Hin und wieder habe Ermisch aber auch das Amt beschäftigt. Einen Teil der Akten, ein „Best of Uwe“, überreichte Kubat als Geschenk, ohne etwas daraus vorzulesen: „Das ist nicht alles kindgerecht.“

Landtagsabgeordneter Reinhard Kahl zählt zu Ermischs langjährigsten Weggefährten. „Es war eine gute Zeit für Hatzfeld“, eine Ära gehe zu Ende. „Uwe Ermisch hat Hatzfeld gestaltet und verwaltet. Er hat eine gute Verwaltung aufgebaut und ist ein Mann mit Ideen.“ Auf den nicht immer einfachen Umgang mit Ermisch ging Kahl am Rande ebenfalls ein: „Er war sicher nicht Absolvent einer Diplomatenschule.“ Klartext sei ihm lieber als Diplomatie gewesen. Er habe aber viele Akzente gesetzt und frühzeitig Weichen gestellt. „Nachhaltigkeit war immer von Bedeutung.“

Für die Bürgermeister-Kollegen sprach Karl-Friedrich Frese aus Bromskirchen, Vorsitzender der Kreisversammlung des hessischen Städte- und Gemeindetags. Er habe Ermisch als verlässlichen Partner und guten Freund kennen- und schätzengelernt. „Wir hatten es nie ganz einfach mit dir, aber wir haben gern mit dir zusammengearbeitet.“ Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde müsse man „Allrounder“ sein. „Uwe hat hier deutliche Spuren hinterlassen.“Der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Keller erklärte, Ermisch habe seine Ziele stets hartnäckig verfolgt. „Wir haben mit dir die Stadt weiterentwickelt.“ Eckard Zissel dankte im Namen der Bürgerliste Holzhausen, Erika Lotz für die SPD-Fraktion und den Stadtverband. Ermisch hatte im FZ-Interview angekündigt, weiterhin im SPD-Ortsverband tätig zu sein.

Carola Hribar-Gesell sprach für die Mitarbeiter in Rathaus, Kindergarten und Bauhof. Ermisch sei „jemand, der nicht nur lenkt, sondern auch anpackt und dabei immer hinter seinen Mitarbeitern steht“.Im Namen der Partnerschaftsvereinigung dankte Diemut Pfleging dem Hatzfelder Bürgermeister für die Zusammenarbeit und verlas ein Dankschreiben aus der französischen Partnerstadt Cloyes.

Schild „Uwes Ruh“

Vielfältig war die Zahl der Geschenke: Unter anderem „Die 50 besten Angler-Geschichten“ und ein Irland-Buch vom Stadtparlament, eine Schiefertafel mit der Aufschrift „Uwes Ruh“ von der Bürgerliste Holzhausen für die Hütte an Ermischs Fischteich und ein Bild aus Irland, das Tochter Eva gemacht hatte und überreichte – es soll auch einen Platz in der Hütte finden. „Es war nicht immer ganz einfach, wenn der Papa abends nicht zu Hause war“, sagte Eva Ermisch.

Die Kollegen der Stadtverwaltung hatten eine „Sonderausgabe“ des „Hatzfelder Boten“ erstellt. Die Besonderheit: Büroleiter Manfred Wetter hatte den Boten in jenen Umschlag gesteckt, in dem Anfang 1989 Ermischs Bewerbung für das Bürgermeisteramt eingegangen war – als Nummer 15 von 45 Bewerbungen. „Damit schließt sich ein Kreis“, sagte Wetter. Der Dank aller Redner galt auch Ehefrau Kristina, die sich über Blumen freute.

Im FZ-Interview verriet Uwe Ermisch, bei seiner Abschiedsfeier Näheres zu seiner Zukunft zu sagen – er wolle aber in jedem Fall erst einmal den Sommer genießen. Das präzisierte der 52-Jährige auf seine ganz eigene Weise: „Alles geht, nichts muss.“

Kommentare