Hessisches Landestheater in Frankenberg

Der Kampf gegen die grauen Herren

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Farbenfroh, phantasievoll und mit Musik hat das Hessische Landestheater den Kinderbuchklassiker „Momo“ von Michael Ende inszeniert. Das Theater gab zwei Gastvorstellungen in der Ederberglandhalle. Fotos: Jutta Muth

Frankenberg - Ein lustiger Anblick war das: Eine lange Schlange von Kindern wollte die Frankenberger Jahnstraße überqueren und legte damit den Verkehr lahm. Wo wollten die um diese Uhrzeit alle hin? In die Ederberglandhalle - zum Kinderstück "Momo".

Das hessische Landestheater aus Marburg hat den Jugendbuchklassiker von Michael Ende in ein Theaterstück für Kinder ab fünf Jahren umgeformt. Gleich zwei Vorführungen waren nötig, um die große Nachfrage der Schulklassen bedienen zu können. Mit einer Mischung aus Theater, Videos, Tanz und Musikszenen gelang es den Schauspielern unter der Regie von Annette Müller und Oda Zuschneid, die Geschichte zum Leben zu erwecken.

Die Kinder folgten begeistert Momos Kampf gegen die grauen Herren, die versuchten, den Menschen versuchten die Zeit zu stehlen. Lautstark schickten die Jungen und Mädchen schickten die Herren in die falsche Richtung oder halfen Momo dabei, sich vor diesen zu verstecken. Die „grauen Herren“ waren gruselig anzusehen und tanzten in Rauchschwaden gehüllt zu düsterer Musik.

Die Geschichte rankt sich um Menschen, die von der „Zeitsparkasse“ dazu angehalten werden, ihre Lebenszeit nicht zu vergeuden. Wer fleißig arbeitet und lernt, kann Zeit sparen, die ihm später zur Verfügung steht. Außerdem ist er nützlich für die Gesellschaft, steigert seinen Erfolg und verdient mehr Geld. Die kleine Waise Momo verliert nach und nach durch die grauen Herren von der Zeitsparkasse ihre Freunde: Keiner hat mehr Zeit, mit ihr zu spielen oder sich einfach zu unterhalten. Der Wirt Nino eröffnet einen Fast-Food-Drive-In. Gigi, der Geschichtenerzähler wird zum Fernsehstar. Selbst die Kinder hasten von der Schule zum „sinnvollen Spielunterricht“ am Nachmittag. Momo ist verzweifelt. Als einer der grauen Herren sich bei Momo verplappert, kennt sie deren Geheimnis: Die „grauen Herren“ existieren nur, indem sie die gesparte Lebenszeit ihrer Kunden selbst aufbrauchen. Weil Momo nun eine Gefahr für die Zeitsparkasse darstellt, kommen ihr Meister Hora, der Wächter der Zeit, und seine besondere Schildkröte Kassiopeia zu Hilfe...

Die Botschaft von Michael Ende ist einfach und klar und passte hervorragend in die hektische Adventszeit: Die Menschen sollten sich hüten, Ruhm, Erfolg hinterher zu hasten. Wer mit Eile und Fleiß versucht, Zeit zu sparen, verliert sie am Ende. Zeit hingegen, die man mit Freunden und Familie verbringt, macht zufrieden und glücklich und ist mehr wert als alles Geld der Welt.

Von Jutta Muth

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