Schüler aus Calgary musizieren

Kanadier blasen deutschen Winter fort

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Fast nur aus Bläsern – hier die Klarinetten – besteht die Besetzung des kanadischen Schulorchesters; ungewohnt, aber überzeugend.

Frankenberg - Die Schüler der William Aberhart High-School aus Calgary gehören zu den besten Nachwuchsmusikern in Kanada. Warum, bewiesen die Gäste des Bottendorfer Jugendposaunenchors gestern mit einem anspruchsvollen, aber dennoch unterhaltsamen Konzert.

Bescheiden holen sich 96 Schüler aus Kanada minutenlangen Applaus ab. Die Musiker lassen die Begeisterung in der Frankenberger Kulturhalle fast peinlich berührt über sich ergehen - dabei haben sie gerade zuvor unter Beweis gestellt, dass sie ganz große Musik machen können. Nicht nur Klassik beherrschen die Schüler der William Aberhart High-School aus Calgary, auch Jazz, Filmmusik, sogar Folk lieferten sie virtuos ab. Der Applaus ist mehr als berechtigt - schade, dass die Kulturhalle nicht voll war.

Es sind Osterferien, vielleicht ist das der Grund. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass das deutsche Ohr eine knapp 100 Mann starke Besetzung in dieser Art nicht kennt: Fast alle Musiker spielen ein Blasinstrument - die restlichen Stimmen einer sinfonischen Besetzung werden durch jeweils ein Instrument nur zaghaft angedeutet. Tatsächlich fehlt manchmal, an einigen wenigen Stellen, ein Streicher. Doch was die Jugendlichen zu Gehör bringen, ist vielleicht gerade deshalb überaus beeindruckend. Mit fast unglaublichem Druck starten sie mit einem Medley, das in Deutschland kaum bekannt sein dürfte. Es kombiniert geschickt sieben schottische Shantys und Weisen, deren bekannteste wohl das „Drunken Sailor“ sein dürfte. Von Schottland geht es unter der Leitung des Musiklehrers Kevin Willms in den Süden der USA: Frank Tichelis jazziges „Blue Shades“ lädt dazu ein, den Tönen nachzuspüren.

Die musikalischen Reisen, erklärt Willms zwischen den Stücken, seien Hommagen an Länder, die die Orchesterklassen bereits besucht haben. So kommt auch Wagners „Elias Zug zum Münster“ aus dem Lohengrin zu Gehör oder als Erinnerung an die vorausgegangene Tour durch Spanien das rasante Stück „El Camino Real“ von Alfred Reed. Mit einer - nicht ganz leicht verdaulichen - Premiere außerhalb Kanadas überrascht das Orchester: Christiaan Venters „Dancing Lights of the North“ gelte als Hommage an die Nordlichter, erklärt Willms.

Nach dem mit der gebotenen Strenge vorgetragenen „Imperial March“ aus Star Wars kommen auch die Gastgeber wieder auf die Bühne: Der Bottendorfer Jugendposaunenchor hatte das Konzert mit drei eingängigen Titel eröffnet und spielt mit den Kanadiern zum Abschluss „Music Knows no Borders“.

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