Historischer Vortrag

Kapelle war ein beliebter Wallfahrtsort

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Beim Bildersturm 1606 verloren sogar die kleinen Musikantenengel, die Dr. Birgit Kümmel hier in der Frankenberger Marienkapelle zeigt, ihre Gesichter und Hände. Fotos: vk

Frankenberg - "Die Marienkapelle in Frankenberg. Ein Wallfahrtsort im Wandel der Zeiten" ist das Thema eines öffentlichen Kolloquiums, zu dem am Samstag, 17. August, namhafte Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus der Bundesrepublik eingeladen sind.

Die Experten werden im Sitzungssaal des histo-rischen Frankenberger Rathauses mit Vorträgen und Bildern der interessierten Öffentlichkeit neue Forschungen zu der um 1380 an der Liebfrauenkirche angebauten gotischen Kapelle vorstellen.

Auf Initiative des Instituts für Kunst und Materielle Kultur der Technischen Universität Dortmund (PD Dr. Esther Meier) und des Kunstvereins Frankenberg (Dr. Birgit Kümmel) sowie in Zusammenarbeit mit der Stadt, der evangelischen Kirchengemeinde Frankenberg und dem Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde werden sich bei dem Kolloquium Kunsthistoriker, Historiker und Theologen mit der Marienkapelle befassen, die im späten Mittelalter der bedeutendste Sakralraum Frankenbergs war.

„Als Wallfahrtsort zog sie Pilger aus der Nähe und Ferne an, die wiederum auf ihrem Weg und in ihrer Heimat von der Stadt und ihrem Gnadenort berichteten. So verdankte Frankenberg seine überregionale Bedeutung insbesondere der Marienkapelle“, sagt die Frankenberger Kunsthistorikerin Dr. Birgit Kümmel.

Seit der Errichtung der Kapelle um 1380 durch den Bau-meister Tyle von Frankenberg bis zur Gegenwart erfolgten wiederholt radikale Veränderungen. Ein Einschnitt markiert etwa das Jahr 1606, als der reiche Skulpturenschmuck dem Bildersturm zum Opfer fiel. Zurück blieben leere Konsolen und fragmentierte Überreste. Weitere Veränderungen des Innenraums erfolgten in den kommenden Jahrhunderten, als man nach Möglichkeiten suchte, die einstmals katholische Kapelle einem evangelischen Gebrauch zuzuführen.

„Eine auf Dauer befriedigende Lösung konnte bis heute nicht gefunden werden. Die wechselhafte Ausstattungsgeschichte lässt erkennen, dass eine Fortnutzung nur durch eine unmissverständliche Umnutzung möglich schien“, hat Dr. Kümmel festgestellt.

Die Veranstaltung am 17. August in Frankenberg ist Teil der jüngst ins Leben gerufenen Kolloquiumsreihe „ars ecclesia: Kunst vor Ort“, die sich sakralen Kunstwerken widmet, die nicht in Museen ausgestellt sind. Ziel ist es, neue Forschung zu initiieren und vor Ort einer breiten Interessentengruppe zur Diskussion zu stellen.

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