Bottendorf

Karl Schneider aus Bottendorf erhält am Sonntag die Elisabeth-Medaille

- Burgwald-Bottendorf (apa). Mehr als 60 Jahre lang waren der Montag- und der Dienstagabend bei Karl Schneider verplant: Seit eh und je stehen an diesen Abenden in Bottendorf die Proben des Kirchenchors und des Posaunenchors an. „Es musste schon etwa ganz Wichtiges sein, damit ich nicht hingehe“, erinnert sich Schneider.

Im April 1943 begann der heute 80-jährige Bottendorfer seine Ausbildung, die er in der Schreinerei Hartmann in Frankenberg absolvierte. Sie wurde schon nach einem Jahr unterbrochen: Schneider musste in den Arbeitsdienst bei Gerolstein. 1946 schloss er seine Ausbildung ab und arbeitete dann fast 25 Jahre lang in der Schreinerei Sommer in Frankenberg. Im Jahr 1970 wechselte er in sein Heimatdorf, wo er für die Firma Finger Fertigbau arbeitete. Manchmal habe ihr Mann auf dem Weg von der Arbeit nach Hause angerufen, erzählt seine Ehefrau Maria, damit das Essen auf dem Tisch steht, wenn er kommt. Dann habe er schnell etwas gegessen und sei gleich danach wieder zur Probe gegangen. – Seit 1945 ist der Bottendorfer in Kirchenchor und Posaunenchor aktiv. Nach dem Krieg hatte Jakob Dönges, der Geige spielte, die Bottendorfer aufgerufen, den Kirchenchor und den Posaunenchor wieder ins Leben zu rufen. Etwa acht von den „alten“ Musikern waren noch da, brachten ihre Musikinstrumente mit, damit die Jugendlichen lernen konnten, erinnert sich Karl Schneider. „Wenn ich sehe, wie die Kleinen heute das Blasen lernen, mit Noten und so!“, sagt Schneider. Er selbst lernte das Trompetenspiel nach Griffen, die Noten brachten sich die Schüler später selbst bei. Karl Schneider ist stolz darauf, nicht nur ein Vereinsmitglied auf dem Papier zu sein. „Ich stand immer in der ersten Reihe“, sagt Schneider. Das ist nicht übertrieben: Allein 30 Jahre lang war er erster Vorsitzender des Posaunenchores, weitere 17 Jahre in anderen Vorstandsfunktionen. Und wäre da nicht die Operation an seiner Halsschlagader gewesen, er würde noch heute die erste Stimme bei den Trompeten im Posaunenchor spielen. Doch um seine „geflickte“ Ader nicht zu gefährden, übernimmt er nun die zweite Stimme und spielt nur noch bei den Geburtstagsständchen mit. Im Kirchenchor ist seine Stimme ebenfalls weiterhin zu hören. „Und ich mache weiter, solange ich kann“, verspricht der 80-Jährige. Mit ihm hat vor 64 Jahren sein Bruder Wilhelm begonnen zu singen und zu spielen. Er wurde später sogar Dirigent des Posaunenchores und arbeitete im Kin­dergottesdienst der Gemeinde mit, bis er nach Wetter umzog. Auch Karl Schneiders Vater war in der Kirchengemeinde aktiv: Viele Jahre war er im Kirchenvorstand, zehn Jahre als Kastenmeister. 1977 folgte Karl Schneider seinem Vater und übernahm für sechs Jahre einen Posten im Kirchenvorstand. In sechs Jahrzehnten hat Karl Schneider viele Musiker und Sänger kommen und gehen sehen. Vier Pfarrer hat er erlebt: Balz, Hammann, Geigenmüller und Schott. „Wer hätte das gedacht, als wir 1945 angefangen haben?“, sagt er nachdenklich. Nicht nur das Singen im Kirchenchor und die regelmäßigen Geburtstagsständchen, bei denen er mitspielt, halten den 80-Jährigen fit. Er fährt jeden Tag zwischen 15 und 20 Kilometer Fahrrad. Am Sonntag, 28. Juni, findet ein Festgottesdienst in Bottendorf statt, in dem Karl Schneider für seine 64-jährige Tätigkeit in der Kirchengemeinde die Elisabeth-Medaille erhält. In Willersdorf findet am Sonntag kein Gottesdienst statt. Die Willersdorfer sind herzlich zum Gottesdienst und zur anschließenden Feier morgen ab 18 Uhr in Bottendorf eingeladen.

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