Kein Boom im heimischen Jugendfußball durch WM-Titel

+

Waldeck-Frankenberg. Der Weltmeister-Titel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat im Jugendfußball in Waldeck-Frankenberg keinen Boom ausgelöst.

Diesen Schluss lässt eine Nachfrage der HNA bei heimischen Sportvereinen zu.

„Ich kann nicht sagen, dass es durch die WM außergewöhnlich mehr Anmeldungen gegeben hätte“, sagt beispielsweise Michael Traute, langjähriger Jugendtrainer des FC Ederbergland.

Beim TSV/FC Korbach habe es im Sommer nach der WM zwar „weitaus mehr Anfragen und Anmeldungen“ als in den Jahren zuvor gegeben, berichtet Jugendleiter Albrecht Will. Er vermutet aber, dass diese Kinder auch ohne den WM-Titel gekommen wären. „Allein, um sich zu bewegen und Idolen nachzueifern.“

Auch Andreas Mann, Jugendleiter der SG Eder, führt seine Neuanmeldungen nicht auf den WM-Erfolg zurück. „Die WM war im Juli, als der Jugendspielbetrieb ruhte“, sagt der Viermündener. Selbst beim Saisonstart Anfang August sei die WM schon zu lange her gewesen. „Im Übrigen werden die Kinder, die Interesse am Fußball haben, durch vielfältige andere Werbeaktionen angesprochen, dass es kaum zu einem WM-Boom kommen kann.“

Manche Jugendspieler tragen im Training zwar Trikots von Nationalmannschaften, einen Trend sieht Andreas Mann aber auch darin nicht. Schon in den älteren Jahrgängen würde es nachlassen, dass die Jugendlichen den Idolen derart nacheifern, sagt Michael Traute. Und: In Korbach kommen die Familien vieler Jugendfußballer gar nicht aus Deutschland, dementsprechend würden sie auch nicht die deutsche Mannschaft favorisieren, sagt Albrecht Will.

Sein Fazit: „Der WM-Titel hat nicht viel dazu beigetragen, dass sich das Interesse von Kindern und Jugendlichen in Richtung Fußball bewegt. Der Fußball vor Ort könnte wesentlich mehr Wirkung zeigen.“

Von Jörg Paulus 

Was der Deutsche Fußball-Bund zu den Auswirkungen des WM-Titels auf den Nachwuchs sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA in Waldeck und Frankenberg.

Quelle: HNA

Kommentare