Übergabeappell an der Burgwaldkaserne

"Kein Rückblick, keine Lobhudelei"

+
Oberstleutnant Elmar Henschen übergibt das Kommando über Burgwald-Kaserne und Bataillon im Beisein von Generalmajor Jürgen Setzer an Oberstleutnant Holger Schmör (von links).

Frankenberg - Eine neue Ära an der Burgwald-Kaserne hat begonnen: Die Verantwortung für das EloKa-Bataillon 932 liegt bei Holger Schmör.

Wehmut liegt in seinem Blick, als Elmar Henschen den Wolf besteigt, um zum letzten Mal an seinen Soldaten vorbeizufahren. Die Hand legt er zum Gruße an die Schläfe, die Musik spielt, Henschen wird vom Platz gefahren - und das Kommando über das EloKa-Bataillon 932 und die Burgwald-Kaserne liegt vollends bei Holger Schmör.

Vorangegangen war eine feierliche Übergabe der Verantwortung, die auch wegen des stürmischen Wetters eine gewisse Dramatik hatte. Der Wind blähte die beiden Zelte mit den Ehrengästen - darunter Land- und Bundestagsabgeordnete, Landrat Reinhard Kubat sowie Vorgänger Henschens an der Kaserne - als der scheidende Kommandeur sich von seinen Soldaten verabschiedete. „Kein Rückblick, kein Fazit, keine Lobhudelei“ wolle er präsentieren, sagte Henschen. Wer ihn in den vergangenen gut zwei Jahren erlebt habe, wisse, dass die Aufgabe ihm Freude bereitet habe. Eine Bewertung seiner Zeit in Frankenberg könne er nicht abgeben - er sei befangen, wohl auch noch in einigen Wochen: „Es wird wohl eher noch schlimmer“.

Henschen lenkte den Blick auf seine Soldaten: „Ihr Einsatz verdient die Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland“, sagte er stellvertretend jenen Kameraden, die im August aus Afghanistan zurückgekehrt waren. Einige ehrte er anschließend (siehe Kasten). Er habe es als seine Aufgabe gesehen, Brücken zwischen Militär und Zivilgesellschaft zu schlagen. Als Ausdruck dieser Brücken wertete er den Besuch der vielen Gäste in Zivil. Zugleich wies er scharf jene zurecht, die zwischen Kritik an der politischen Entscheidung für einen Einsatz und dem ausführenden Soldaten nicht unterscheiden. „Durch gelbe Schleifen am Ortsschild wird eine Gesellschaft nicht militarisiert“, sagte er - und drückte sein Unverständnis aus, dass eine öffentliche Schule seinen Soldaten den Zutritt verweigerte. Den Kameraden sprach er dennoch Mut zu: „Sie können sicher sein, dass die Region überwiegend zu Ihnen steht“.

Generalmajor Jürgen Setzer, Kommandeur des Kommandos Strategische Aufklärung, lobte Henschens Öffnung des Bataillons hin zur Bevölkerung. Insbesondere lobte er aber die Soldaten, die seit Einsatzbeginn in Afghanistan ständig gefordert und bis zur Stunde das Rückgrat der Aufklärung seien. „Einsatz gehört heute zum Alltag“, sagte er - zwölf Monate Dienst am Hindukusch kämen im Durchschnitt auf jeden EloKa-Soldaten, so viele wie in sonst kaum einem anderen Bereich der Wehr. Mit ihren Fähigkeiten, ihrer Ausrüstung sei die Truppe „strukturell zukunftsfähig“ - und deshalb „auch bei künftigen Einsätzen erste Wahl“. Die Aufgaben würden nicht geringer, sagte er mit Blick auf Henschens Nachfolger Holger Schmör - und gab ihm mit: „Setzen Sie den eingeschlagenen Weg erfolgreich fort“.

In einem Grußwort ging Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß auf die Verbundenheit der Kaserne mit der Region ein, auf die vielen Soldaten, die in Vereinen oder politischen Gremien aktiv seien. Henschen wünschte er auf seinem weiteren Wege alles Gute. Der ließ sich schließlich die Truppenfahne reichen, übergab sie an Setzer, bevor dieser sie an Holger Schmör weiterreichte. Eine Ära an der Burgwald-Kaserne war vorbei - und eine neue begann.

2172598

Kommentare