Mitarbeiter von „Hessen mobil“ stellen aktuellen Planungsstand zur Umgehung bei Ernsthausen vor

Keine Garantien für mehr Schallschutz

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Burgwald-Ernsthausen - Die geplante Brücke über die Bahnlinie verschiebt sich um 400 Meter nach Norden, zu den Gesamtkosten gibt es derzeit keine Angaben und Zusagen per se für Lärmschutz erst recht nicht – diese Erkenntnisse nahmen Parlamentarier und Gäste am Dienstagabend mit.

Im Rahmen der Gemeindevertretersitzung stellten am Dienstagabend Dr.Lars Fischer, Albert Klein und Dieter Zirpins von „Hessen mobil“ (früher Amt für Straßen- und Verkehrswesen) den aktuellen Stand der Planungen vor. Obwohl aus der Versammlung konkrete Nachfragen zu bestimmten Standorten und Details kamen, ließen sich die Mitarbeiter nicht auf Diskussionen ein. Sie sagten lediglich zu, die Argumente als Anregungen mitzunehmen und zu untersuchen. Dr. Lars Fischer ist für die Burgwalder ein neues Gesicht: Er ist Planungsdezernent für Westhessen in der neu strukturierten Behörde. Er kenne die Umgehungsplanungen aber bereits aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, sagte er. BLE hakt genau nach Dieter Zirpins hingegen ist seit Jahren in das Projekt eingebunden und als Straßenplaner für die Umgehung für Bottendorf und Ernsthausen zuständig. Er erläuterte, dass das Brückenbauwerk zur Querung der Bahnlinie nach aktuellem Stand „aus verschiedenen Gründen ein Kerbtal weiter nach vorn“, also um etwa 400 Meter nach Norden – und damit weiter weg vom Ernsthäuser Ortsrand – versetzt werde.

Ursprünglich war die Querung der Bahnstrecke etwa in Höhe der Nikolausmühle zwischen Ernsthausen und Wiesenfeld geplant. Die Trasse verlaufe überwiegend durch Einschnitte und Hohlwege, um eine Entlastung für die angrenzenden Dörfer zu erwirken, sagte Zirpins. Die neue Umgehung soll – wie bisher geplant – westlich an Ernsthausen vorbei, zwischen dem Dorf und den Windrädern führen. Nahe dem Reitplatz wird die geplante Führung beibehalten. „Das ist aus passierungstechnischen Gründen dabei geblieben“, sagte Dieter Zirpins. Dann führt die Trasse östlich an Wiesenfeld vorbei. Der Anschluss an die beiden Dörfer erfolgt über Abschnitte der Kreisstraße 117, der Anschluss an Bottendorf von Süden über die bestehende Gemeindestraße, die von der K117 abzweigt.

Im diesem Verlauf der Trassenplanung ergaben sich aus Sicht von Hermann Briel und Carsten Engel (beide Bürgerliste Ernsthausen) weitere Veränderungen: Die Querung der Kreisstraße 117 zur Kaserne sei bisher außerhalb des Waldes geplant gewesen, in der vorgelegten Fassung sei die Kreuzung jedoch weiter nördlich im Waldgebiet eingezeichnet: „Sie haben das hochgerückt“, sagte Briel. Darauf konnte ihm Dieter Zirpins keine richtige Antwort geben: „Ich weiß es nicht mehr“, räumte er ein. Es könne aber sein, dass der Standort verlegt wurde, weil die Vorgaben für den Vogelschutz sonst nicht eingehalten würden. Außerdem verlaufe die Trasse in der Verlängerung des Pfaffengrundes bei Ernsthausen auf einem Damm – auch das sei ursprünglich nicht vorgesehen gewesen. Dieter Zirpins wiegelte ab: „Wir müssen das ausrechnen und notfalls Lärmschutzmaßnahmen ergreifen.“

Der potenzielle Lärm macht den Parlamentariern besonders große Sorgen. Carsten Engel und Friedhelm Piston forderten entsprechenden Schutz für Ernsthausen und Wiesenfeld. Allerdings machten die Vertreter von „Hessen mobil“ ihnen keine große Hoffnung: „Einen Schallschutz über die Maßen wird der Bund nicht gestatten“, sagte Zirpins. Schallschutz gebe es nur dort, wo die Berechnungen einen Bedarf belegten. Auch die Verlegung der Trasse in einen durchgehenden Einschnitt komme nicht infrage: Die Tangente tiefer zu legen, bedeute mehr Landverluste und höhere Kosten. „Das ist immer ein Abwägen“, sagte Lars Fischer. Er versuchte jedoch, die Zuhörer zu beruhigen: „Wir sind gehalten zu untersuchen, welchen Einfluss die neue Straße auf den Menschen hat.“ Die Auswirkungen würden schon im Vorhinein mithilfe eines Geländemodells berechnet und nicht erst gemessen, wenn die Straße bereits fertig ist.

Dieter Zirpins weigerte sich, den Parlamentariern die aktuellen Vorlagen auszuhändigen: „Unvollständige Pläne gebe ich nicht heraus“, begründete er. Die Gemeindevertreter bekämen diese Pläne erst, wenn das zuständige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Bonn die Planungen mit einem Sichtvermerk versehen habe – und dieses schaut in erster Linie auf die Finanzen. Wie teuer das Projekt wird, dazu wollten die „Hessen mobil“-Vertreter keine Angaben machen: „Egal, was wir jetzt sagen, es ist falsch“, sagte Lars 
Fischer.

Sein Kollege Zirpins betonte, dass für den Bau der Umgehung eine Flurbereinigung notwendig sei. Es solle aber sichergestellt werden, dass alle Grundstücke entlang der neuen Trasse erreichbar blieben. Wirtschaftswege sollten mit Brücken gequert werden. Ein zweimal verschobener Ortstermin mit den Landwirten zu diesem Thema soll nachgeholt werden – obwohl die Planer schon ihre eigene Version in die Pläne aufgenommen haben.

Das Thema landwirtschaftlicher Verkehr schnitt Günter Beck, Landwirt und Ortsvorsteher in Wiesenfeld, an. Denn weil sowohl die K 117 als auch die bisherige Bundesstraße durch den Schafterbach zurückgebaut – also abgerissen – werden sollen, ist die neue B 252 die einzige Verbindung zwischen Ernsthausen und Frankenberg. An der steilsten Stelle beträgt die Steigung sechs Prozent auf 450 Metern Strecke – und dort sieht Beck eine Gefahr. Die Schlepper könnten eine solche Steigung oft nur mit zehn Stundenkilometern leisten – „und dann hängen die Lastwagen dahinter“, prophezeite der Wiesenfelder Ortsvorsteher. Zirpins stellte daraufhin nur fest, dass die Umgehung keine Kraftfahrstraße und daher auch für den landwirtschaftlichen Verkehr geeignet sei. „Und über sechs Prozent Steigung gehen wir nicht“, betonte er. Als nächster Schritt soll die Strecke fertig geplant werden. Dann wird der Entwurf von einem externen Büro geprüft und dann dem BMVBS vorgelegt. „Wenn der Sichtvermerk aus Bonn da ist, kommen wir wieder zu Ihnen. Dann brauchen wir einen Beschluss der Gemeindevertretung“, sagte Zirpins. Erst danach könne das Planfeststellungsverfahren beginnen. (apa)

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