Kehrtwende bei Plänen für die Lengel-Renaturierung

"Keine komplette Renaturierung nötig"

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Frankenau/Frankenberg - Der ökologische Zustand der Lengel erfordert nun doch keine durchgehende Renaturierung des Ufers - das hat das Umweltministerium mitgeteilt. Einzelne, gezielte Eingriffe sollen ausreichen, um einen "guten ökologischen Zustand des Bachs" zu ermöglichen.

Aufgrund der Pläne für die Renaturierung der Lengel befürchteten einige Anlieger des Bachlaufs Nachteile durch die Umgestaltung des Ufers. Landwirte erwarteten Verluste bei den bewirtschafteten Flächen erwarteten (FZ berichtete ausführlich). Sie hatten deshalb in den vergangenen Monaten die Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg (CDU) und Jürgen Frömmrich (Grüne) um Hilfe gebeten.

Die beiden Abgeordneten haben nun ein erstes Zwischenergebnis vom Hessischen Umweltministerium erhalten, wie sie am Dienstag mitteilten. So habe sich die Lengel hinsichtlich der Bewertungskomponente „Kieselalgen“ bereits deutlich von unbefriedigend zu mäßig verbessert.

Nach wie vor fehlten aber die Steinfliegen fast flächendeckend. Ziel solle es deshalb sein, die Ufervegetation entlang des Bachs zu verbessern, um durch Beschattung eine übermäßige Erwärmung des Wassers zu verhindern.

Positiv sehen die Abgeordneten, dass beim letzten Fisch-Monitoring im Jahr 2012 die Lengel bereits einen „guten ökologischen Zustand“ erreicht habe. Das Ziel, eben jenen Zustand des Baches zu erlangen, könne „auch ohne eine komplette, flächendeckende Renaturierung der Ufer erreicht werden“, heißt es aus dem Hessischen Umweltministerium.

Die Verbesserung der Beschattung, sowie die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den noch verbliebenen Querbauwerken könne durch gezielte einzelneEingriffe erreicht werden. Hinzu kämen Renaturierungsmaßnahmen auf zusätzlichen Flächen direkt in der Gewässerparzelle.

Zur Reduzierung der Nährstoffbelastung soll ab Frühjahr 2015 ein Messprogramm die einzelnen Einleitstellen von Wasser gezielt erfassen. Des Weiteren sollen die dort wirtschaftenden Landwirte zielorientiert beraten werden. Ravensburg und Frömmrich begrüßen diesen Zwischenstand, „denn damit kann sowohl den Interessen des Naturschutzes Rechnung getragen werden, als auch die Auswirkungen auf die Landwirtschaft in einem vernünftigen Maß gehalten werden.“

Mit einem ungläubigen Lachen reagierte Hauberns Ortslandwirt Martin Schmidtmann auf die Neuigkeit - auch bei ihm überwiegt vorerst die Skepsis, ob die komplette Renaturierung und Flurneuordnung nun ausbleiben. „Wenn ja, wären viele froh“, verwies er auf die betroffenen Landwirte. „Denn was die hier vorhatten, wären enorme Flächenverluste für die Landwirtschaft gewesen.“

(Von Andrea Pauly)

Den ausführlichen Text lesen Sie in der Mittwochausgabe der Frankenberger Zeitung.

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