Bewährungsstrafe, Schmerzensgeld, Arbeitsauflage und Führerscheinentzug für Frankenauer

Keine mildernden Umstände

Frankenau - Frankenberg/Frankenau. Ein Jahr lang muss ein 21-Jähriger aus Frankenau ohne seinen Führerschein auskommen, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, knapp 3500 Euro zahlen und zudem eine Haftstrafe von sechs Monaten zur Bewährung hinnehmen. "Ich hatte absolut nichts Strafmilderndes", betonte Richterin Andrea Hülshorst nach der Urteilsverkündung.

Der junge Mann stand wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr vor dem Amtsgericht. Die Richterin zeigte sich ebenso wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft überzeugt davon, dass der junge Mann an einem Morgen im Juli auf einem Feldweg am Rande eines Frankenauer Stadtteils einen 57-Jährigen mit dem Auto angefahren hat.

Zuvor war es - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft und die Aussage des späteren Opfers - zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen dem 57-Jährigen und dem 21-Jährigen gekommen, weil der Jüngere den Hund des Älteren angefahren haben soll. Das Tier rannte körperlich unversehrt davon. Daraufhin habe der junge Mann ihn angeschnauzt, er solle gefälligst den Hund anleinen, erläuterte der 57-Jährige vor Gericht. Es sei zu einem lautstarken Streit über Leinenpflicht und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Feldwegen gekommen. Er sei dann weitergegangen und plötzlich habe er einen Schlag gegen den Unterschenkel bekommen. Dadurch sei er nach hinten gefallen und habe sich auf der Motorhaube abstützen müssen. Dann habe ihn der Fahrer erneut angeschrien, mit quietschenden Reifen sein Auto gewendet und sei wieder ins Dorf gefahren. Der 57-Jährige erlitt durch den Stoß Prellungen, eine Schwellung und Hämatome am Unterschenkel. Er war drei Wochen lang krank geschrieben und litt nach eigenen Angaben bis September unter den Folgen.

Der Jüngere bestritt vor Gericht vehement sowohl einen Zusammenstoß mit dem Hund, den lautstarken Streit als auch den Vorwurf, den Mann angefahren zu haben. Er schilderte den Morgen ganz anders: Er sei langsam den Feldweg entlang gefahren, dann sei der Hund vor seinem Auto entlang gelaufen - zu einem Zusammenstoß sei es aber nicht gekommen. Er habe dann angehalten und sei rückwärts in eine Einfahrt gefahren. Das Recht auf das letzte Wort nutzte der junge Mann lediglich, um zu betonen, dass die Polizei keine Spuren an seinem Auto gefunden habe.

Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von acht Monaten zur Bewährung sowie den Führerscheinentzug für ein Jahr und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Carsten Fock als Vertreter des Opfers stellte einen Antrag auf Schmerzensgeld und die Übernahme von außergerichtlichen Kosten.

Renate Thuma als Anwältin des Angeklagten betonte, dass aus ihrer Sicht „erhebliche Zweifel“ bestünden, dass sich die Tat so zugetragen habe. Die Verletzung am Bein habe sich der 57-Jährige auch woanders zuziehen können. Sie bat um ein großzügiges Urteil für ihren Mandanten, falls die Richterin das anders sehe.

Diese blieb mit der Haftstrafe zwar zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, allerdings erhöhte sie die Anzahl der Arbeitsstunden, die der 21-Jährige als Auflage leisten muss, auf 100. Nur knapp entging der Frankenauer noch einem zusätzlichen Ordnungsgeld: Er unterbrach die Richterin wiederholt während der Urteilsbegründung und hatte zuvor einen genervten Eindruck gemacht. „Sie haben sich nicht unter Kontrolle“, sagte sie - das passe genau ins Bild der Anklage und zu seiner Vorgeschichte: Das Bundeszentralregister weist drei Einträge wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung auf, die jedoch eingestellt oder nicht verfolgt wurden. (apa)

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