Tag des Denkmals

Keine Spur vom Geheimgang

Die Teilnehmer der Führung genossen auf dem Hexenturm die Aussicht.Fotos: Ute Golde

Gemünden - Beide historischen Gebäude passen zum Motto des Denkmaltags. Es lautete "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?".

Der Hexenturm ist vom Namen und seiner Bedeutung unbequem. Der Junkernhof ist ein alter Burgmannenhof, in dessen Mauern bis vor einem Jahr eine Gaststätte geöffnet hatte. Die Besitzerin wohnt jetzt allein in dem großen Anwesen und hat nicht die Möglichkeit, den Besitz zu sanieren.

Norbert Otto, Vorsitzender des Museumsvereins, zeigte Bilder der beiden Gemäuer und erläuterte die Geschichte. Der Junkernhof gehörte bis zum Jahr 1356 dem alten Rittergeschlecht derer von Linsingen. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Besitz von den Grafen von Ziegenhain, über die Clauer von Wohra, die Familien von Hoff und von Hattenbach bis zu derer von Schwertzell von und zu Willingshausen. Die Schwertzells verkauften den Junkernhof 1877 zusammen mit 60 Hektar Land an den ersten bürgerlichen Besitzer Hermann Matthäi, Urgroßvater der heutigen Besitzerin. Er betrieb eine Gaststätte und eine Brauerei.

Norbert Otto zeigte anhand eines alten Stadtplans die Hofanlage im Jahr 1744. Der dort sichtbare Trakt nach Osten steht heute nicht mehr, dafür wurde in späteren Jahren im Westen ein Fachwerktrakt (Festsaal und Scheune) angebaut. Das steinerne Untergeschoss mit Stilelementen der Renaissance an den Fenstern wurde im späten 16. Jahrhundert erbaut. Das Obergeschoss wurde etwa 100 Jahre später aus Fachwerk aufgesetzt. Otto zeigte eine Bild des Allianzwappens, das den früheren Eingang schmückte. Es wurde anlässlich der Hochzeit von Carolus Klauer zu Wahra mit Helena Klauerin, geborene Schenck zu Schweinsberg im Jahr 1601 angebracht.

Zum Abschluss zeigte er ein Bild den heutigen Gastraums, der bei vielen Erinnerungen an schöne Abende weckte. Bezüglich der Legende, dass es einen Geheimgang vom Junkernhof zur Kirche oder zur Burg gab, schloss er einen Gang zur Kirche aus. „Dann hätten wir bei den Grabungsarbeiten in der Kirche etwas finden müssen“. Für einen alten Gang zur Burg gibt es bis heute keine Beweise. Aber es ist nach wie vor ein Thema bei den alten Gemündenern.

Stich aus dem Jahr 1640

Vom Hexenturm zeigte er einen alten Merian-Stich aus dem Jahr 1640. Darauf ist die Stadtmauer rund um die Stadt zu erkennen. Einige Häuser stehen schon außerhalb der Mauer in der „Neustadt“. Der Hexenturm ist noch deutlich höher als heute. Die Stadtmauer wurde im 14. Jahrhundert mit bis zu zwei Meter Breite und sechs Meter Höhe fertiggestellt. Sie ersetzte die ursprüngliche Befestigung mit Wall und Graben. 400 Jahre später weist die Mauer erhebliche Schäden auf und wird nach dem Brand von 1818 als Baumaterial versteigert. Als Begrenzungsmauer des Pfarrgartens blieben einige Meter mit dem Hexenturm bis heute erhalten. Norbert Otto wies darauf hin, dass in Gemünden wahrscheinlich keine Hexe umgekommen sei. In alten Schriften tauchen nur wenige Beispiele aus den Jahren 1629 und 1636 auf, bei denen Frauen und ein Mann der Hexerei bezichtigt wurden. Eine wurde mit zwei Tagen Gefängnis bestraft, eine andere wurde unter die Überwachung durch den Schultheiß und den Pfarrer gestellt.

Bei einem Rundgang vertiefe Stadtführer Wolfgang Glöde die Informationen. Die Teilnehmer bestiegen den Hexenturm und staunten über den Blick auf die noch gut zu erkennenden Wallanlagen Richtung Westen. Er zeigte in der Katzbachstraße enge Stiegen, über die früher ein Gang zur Kirche möglich war. Auch der gepflasterte Weg vom Junkernhof zur Kirche war anlässlich des Museumstags geöffnet worden.

Wieder im Museum zurück, konnten sich die Besucher bei Gegrilltem und Kaffee und Kuchen stärken. Die fast fertigen Räume konnte besichtigt werden. In Vitrinen waren erste Exponate ausgestellt. Der Museumsverein hofft, dass das Gebäude nach seiner offiziellen Einweihung ein Ort der Begegnung wird, der mit Leben gefüllt ist.

Kommentare