Kindertagesstätte in Rennertehausen

Keine Zukunft für altes Gemeindehaus

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Wenn die Tagesstätte mit „Begegnungsraum“ fertiggestellt ist, hat die Kirche keine Verwendung mehr für das Gemeindehaus.

Allendorf-Rennertehausen - Drei Gruppenräume, ein weiteres Zimmer als Krippe für die Kleinkinderbetreung und ein vielseitig nutzbarer "Raum der Begegnung": All das bietet der neue Kindergarten ab Sommer 2014 bieten. Doch im Gegenzug werden die Rennertehäuser wohl auf das Gemeindehaus verzichten müssen.

Am Mittwochabend haben Architekten, Pfarrer Claus Becker und Bürgermeister Claus Junghenn die Pläne für die neue Kindertagesstätte der „kleinen Strolche“, wie der Kindergarten heißt, öffentlich vorgestellt.

Es handelt sich um einen dreigruppigen Kindergarten mit zusätzlicher Krabbelgruppe für Kleinkinder. Willkommen sind künftig auch Kinder aus Haine. Die besuchen seit 1995 die Tagesstätte in Burgwald, in der wegen einer geplanten Krippengruppe der Platz zu eng werde, berichtete Bürgermeister Claus Junghenn.

Doch es ist nicht einfach nur ein Kindergarten. „Das Plus ist der vordere Teil“, sagt Pfarrer Claus Becker und meint damit den „Raum der Begegnung“. Er soll das Haus zu einem Generationentreff machen. „Dort soll es zum gemeinsamen Leben und Erleben kommen.“ Möglichst viele Menschen seien zum Mitmachen eingeladen. „Die breite Beteiligung zeigt das Interesse.“

Architekt Bernd Brust vom Marburger Büro Bau-Art stellte die Pläne vor. Bau-Art hatte auch das Rennertehäuser Dorfgemeinschaftshaus geplant. Brust und sein Partner Dieter Wolf hatten sich mit ihrem Konzept gegen zwei andere Architekturbüros durchgesetzt (FZ berichtete). Der Kindergarten entsteht auf einem unbebauten Grundstück an der Ecke Heinrich-Hesse-Straße/Blumenthalstraße. Der „Begegnungsraum“ befindet sich direkt am Eingang, so dass er unabhängig vom Betrieb der Tagesstätte genutzt werden kann. Er ist 163 Quadratmeter groß und kann durch eine Trennwand unterteilt werden. Ebenfalls im Eingangsbereich wird auch das Büro der Leiterin untergebracht. Die Küche des Kindergartens kann ebenfalls mit dem Begegnungszentrum zusammengeschlossen werden. In jedem der drei 50 Quadratmeter großen Gruppenräume führt eine Treppe in Ruhebereiche. An die U3-Gruppe sind ein Schlafraum und ein Sanitärraum angegliedert.

Gruppenräume und Begegnungsraum sind von der Ostseite, also der Heinrich-Hessee-Straße, aus barrierefrei erreichbar – Grund ist die Topographie des Grundstücks mit der Hanglage. Vom Nebeneingang in der Blumenthalstraße können unter anderem die Bibliothek und der Personalraum behindertengerecht begangen werden. Vom inneliegenden Balkon kann der Flur in Augenschein genommen werden. Eine Rückzugsmöglichkeit bietet der fensterlose „Raum der Stille“ im Obergeschoss.

Baubeginn ist noch in diesem Jahr. Die Kinder sollen zum 1. August 2014 einziehen, der Raum der Begegnung wird voraussichtlich einen Monat später eröffnet. Deutlich wurde allerdings auch, dass die Rennertehäuser um ihr Gemeindehaus fürchten.

Rosel Petter von der Damenturnabteilung des Sportvereins berichtete von einer Umfrage unter den Haushalten im Dorf. „Zu 100 Prozent wurde entschieden, dass das Gemeindehaus erhalten werden soll“, sagte sie. Viele Bürger würden sich an einer Spendenaktion beteiligen. „Das sollte man nicht ignorieren.“ Von den Besuchern der Info-Veranstaltung gab es Applaus.

Pfarrer Claus Becker betonte, dass über die Zukunft des 40 Jahre alten Gemeindehauses erst im nächsten Jahr entschieden werde. Er machte aber deutlich, dass es für die Kirchengemeinde nach dem Bau des Kindergartens keine Bedeutung mehr habe. „Das Gemeindehaus ist für die Kirchengemeinde nicht haltbar, weil wir 13000 Euro im Jahr für die Unterhaltung nicht aufbringen können. Es ist finanziell nicht darstellbar und wir brauchen das Gemeindehaus nicht.“

An kirchlichen Gruppen würden nur Kindergottesdienst und Frauentreff das Gemeindehaus nutzen. Beide könnten im neuen Begegnungsraum der Tagesstätte zusammenkommen. Gleiches gelte für alle anderen Rennertehäuser Vereine. Nach Kindergarten-Ende um 17 Uhr „darf den Raum jede Gruppe, die da reinpasst, nutzen“.

Stattdessen solle der Kindergarten die Generationen zusammenbringen. „Wir können an einem Punkt ein Zentrum schaffen, das verbinden wird.“

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