Unter Frankenberger Dächern

Keller als Wohnung und wichtige Lager

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Frankenberg - Statt unter Dächern führt der vierte Teil der Reihe "Unter zehn Dächern" am Sonntag unter zwei Häuser - die Ederberglandtourisrik und die Sparkasse am Obermarkt.

Die Stadtführung der besonderen Art, die reihe „Unter zehn Dächern“, führt die Besucher seit einigen Wochen immer wieder an ganz besondere Orte Frankenbergs. Anders, als der Titel vermuten lässt, ging es dabei am Sonntag nicht in luftige Höhen, sondern in Frankenbergs Keller. So gab es auch für alteingesessene Illerstädter einiges zu entdecken.

Los ging es im Keller der Ederbergland-Touristik. „Das ist auch der dunklere und gruseligere Keller“, versprach Evelin Jacobs vom Familienbüro. Der Zugang zum Keller führte über eine lange, enge Treppe, die mit stimmungsvoll bunten Kerzen beleuchtet war. Unten wartete bereits Heinrich Maurer, Eigentümer des Hauses am Untermarkt. Er überreichte den wagemutigen Besuchern Kerzen, denn nicht im gesamten Keller gibt es elektrisches Licht. So war die Atmosphäre eine ganz besondere - die Schatten der Teilnehmer tanzten gespenstisch über die historischen Mauern.

Leben unter der Stadt

„Der Keller stammt aus der Gründungszeit der Stadt“, erklärte Maurer und deutete auf ein Loch in der Decke. „Man geht davon aus, dass die Menschen damals teilweise auch hier unten gewohnt und Feuer gemacht haben“, sagte er. Wann das Wohnhaus über dem Kellergewölbe erbaut wurde, kann er nicht genau sagen. Bei der Restauration des Fachwerkhauses sei ein Balken des Fachwerks auf eine zeit um das Jahr 1520 datiert worden. „Aber der Keller stammt aus der Zeit vor dem Brand von 1476“, fügte er hinzu.

Auch das Kellergewölbe unter der Sparkasse am Obermarkt stammt aus dieser Zeit. Er war die zweite Station der ungewöhnlichen Stadtführung. Unter den modernen Geschäftsräumen erschloss sich eine ganz eigene Welt aus Sandstein. Im Krieg seien die Keller Frankenbergs als Luftschutzbunker genutzt worden und teilweise auch bewohnt gewesen. Teilweise wurden die Keller auch an Händler vermietet, die ihre Waren dort lagerten und an der nahe gelegenen Weinstraße verkauften. Für Verwunderung sorgte ein kleiner Tunnel, der durch ein Gitter abgetrennt war. „Vielleicht ist dies ja der Eingang zu einem Tunnelsystem, das viele Gebäude der Stadt untereinander verbindet“, sagte Jacobs nachdenklich. Genaues wisse darüber allerdings niemand. „Aber jede Stadt braucht schließlich ihre Legende“, fügte sie augenzwinkernd hinzu.

Bewusstsein für Geschichte

Evelin Jacobs und Christina Hartmann vom Familienbüro wollen mit dieser ungewöhnlichen Stadtführung die Menschen auch für Frankenbergs unbekanntere Plätze begeistern, denen im Alltag nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie verdienen. „Wir wollen zeigen, dass man stolz auf die Stadt und ihre Geschichte sein kann“, sagte Jacobs.

Weiter geht es schon am nächsten Sonntag mit dem Steinhaus und dem Hexenturm. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor dem Steinhaus. Die Führung ist kostenlos, aber um Anmeldung unter Telefon 06451/505117 oder 408437 per Mail an jacobs.evelin@frankenberg.de wird gebeten. (kty)

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