Jugendstrafe für 17-Jährigen – Er schüchterte Onkel ein, den Kopf abzusägen

Mit der Kettensäge bedroht

Marburg. Wegen Einbruchdiebstählen, Sachbeschädigung und Bedrohung hat das Marburger Amtsgericht einen 17-Jährigen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zu einer Jugendstrafe von 14 Monaten verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Als besonders schwerwiegend beurteilte es das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Cai Boesken, dass der junge Mann seinem Onkel in aller Öffentlichkeit mit einer laufenden Motorsäge gedroht haben soll, ihm den Kopf abzusägen.

Da der Angeklagte minderjährig ist, fand die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie ein Sprecher des Amtsgerichtes berichtete, habe der Angeklagte den Vorfall, der sich im Mai 2009 vor einer Gaststätte am Marktplatz von Wetter abgespielt haben soll, geleugnet. Der Onkel, der am letzten Termin unentschuldigt fehlte, sei von der Polizei vorgeführt worden, habe als naher Verwandter aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Gleichwohl sei das Gericht aufgrund der Aussagen weiterer Zeugen vom Tathergang überzeugt gewesen. Diese hätten seinerzeit die Polizei gerufen und auch das Motorengeräusch gehört.

Geständig zeigte sich der Angeklagte bezüglich weiterer Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. So sei er mit einem Komplizen in eine Baufirma in Dautphetal und eine Spedition in Goßfelden eingestiegen, um Kraftstoff zu entwenden. Auch den versuchten Einbruch in ein Wochenendhaus in Wetter, bei dem zwei weitere inzwischen verurteilte Männer beteiligt waren, hatte er eingeräumt. Verurteilt wurde er zudem wegen Sachbeschädigung, weil er im Zorn Gegenstände seines Onkels zerstört hatte.

Eingestellt worden sei ein Verfahren wegen Körperverletzung, sagte der Sprecher. Das Gericht habe nicht abschließend klären können, wer eine Schlägerei zwischen dem damals 15-Jährigen und einem Nachbarn angezettelt hatte. Bei diesem Vorfall waren die Beteiligten mit einem Besenstiel und einer Wasserwaage aufeinander losgegangen.

Das Gericht sei beim Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt. Es habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Angelegenheit mit der Motorsäge „jenseits jeden Dummejungenstreichs“ sei. Es hätte auch durchaus dramatischer als versuchte gefährliche Körperverletzung ausgelegt werden können.

Statt einer Arbeitsauflage soll der Jugendliche einen sozialen Trainingskurs als Bewährungsauflage absolvieren. Er befinde sich gegenwärtig in der Berufsvorbereitung und habe einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Dies habe das Gericht nicht durch Mehrarbeit gefährden wollen.

Wie bereits von den beiden anderen Tätern soll die Pächterin des Wochenendhauses von dem Wetteraner 100 Euro Schadensersatz erhalten, hieß es. (kse)

Quelle: HNA

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