Frankenberg

Kinder fühlen Ohnmacht und Angst

- Frankenberg (mba). Diplom-Pädagoge Christian Coerdt von der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises sprach im Rahmen der Ausstellung "Rosenstraße 76" über die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder und Jugendliche.

Etwa ein Viertel aller Frauen in Deutschland haben bereits Formen von körperlicher oder seelischer Gewalt in Beziehungen erlebt. Mit diesem Fakt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung stieg Christian Coerdt in seinen Vortrag ein. 60 Prozent der befragten Frauen, die Opfer von Gewalt geworden waren, gaben an, dass auch Kinder im Haushalt lebten. Diese Kinder wurden zumeist Zeugen der Gewalt. Welche Folgen eine solche Erfahrung auf Kinder und Jugendliche hat, schilderte Coerdt seinem fast ausschließlich aus Frauen bestehendem Publikum. Das Erleben der Gewalt spiele sich für die Kinder auf verschiedenen Sinnesebenen ab, erläutert der Pädagoge: „Sie sehen, wie die Mutter geschlagen oder vergewaltigt wird. Sie hören, wie der Vater schreit, die Mutter wimmert oder verstummt. Sie spüren den Zorn des Vaters, die eigene Angst, die der Mutter und der Geschwister, die bedrohliche Atmosphäre vor den Gewalttaten. Sie denken, der Vater töte die Mutter, sie müssten die Mutter und Geschwister schützen, sie seien allein und ohnmächtig.“ Zeuge von häuslicher Gewalt zu werden, könne für Kinder eine fast ebenso schädliche Wirkung haben, wie selbst körperlich misshandelt zu werden, betonte Coerdt: „Die Gefühle der Kinder sind in jedem Fall Angst, Ohnmacht, Scham, Entwertung und Erniedrigung.“ Genau wie bei körperlicher Misshandlung würden die Kinder eine direkte Bedrohung bis hin zu einer Art von „Vernichtungsangst“ erleben: „Die Welt ist unsicher, immer kann etwas passieren, dass die Kinder in Angst um eins der Elternteile, um eine seiner Bezugspersonen bringt“, sagte Coerdt. In Gewaltzusammenhängen sei das elterliche Verhalten für die Kinder nicht vorhersehbar. Der Mangel an familiärer Sicherheit führe gerade bei jungen Kindern zu einer Störung der primären Bindungserfahrung, der Beziehung zu den eigenen Eltern.

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