Kinder haben immer öfter Sprachprobleme – Therapie ist nötig

Waldeck-Frankenberg. Mit dem Schulbeginn kommt es besonders darauf an, richtig sprechen zu können. Doch immer mehr Kinder haben damit Probleme. Vor allem Jungen brauchen vor dem Schulbeginn Unterstützung: 2012 war knapp jeder vierte sechsjährige Junge in Hessen, der AOK-versichert war, in sprachtherapeutischer Behandlung.

Auch in Waldeck-Frankenberg ist die Zahl der sprachauffälligen Kinder in den vergangenen Jahren ständig gestiegen, schildert Barbara Jung, Sprachheilbeauftragte des Landkreises für den Bereich Waldeck. Sie schätzt den Anteil von sprachauffälligen Schulanfängern im Kreis auf zwölf Prozent. Die von der AOK ermittelten Zahlen beziehen sich nämlich nur auf AOK-Patienten, nicht auf andere Krankenkassen-Mitglieder.

In den Kindergärten im Kreis werde eine gute Aufklärungsarbeit geleistet, lobt Barbara Jung. Viele Kitas testen die Sprachfähigkeit von vierjährigen Kindern mit dem dem Sprachstandserfassung-Programm KISS.

Therapeutische Interventionen scheitern nach Ansicht der Sprachheilbeauftragten aber „meistens an den Kinderärzten, die aus Angst vor Regressen der Krankenkassen nicht oder viel zu spät verordnen“. Das sieht auch die für den Altkreis Frankenberg zuständige Kollegin Christa Herr so. Mit einer Beratung von Kindern unter vier Jahren durch ausgebildete Sprachtherapeuten könnte man schon im Vorfeld Störungen vermeiden, sagen die Expertinnen.

Kinderärzte im Landkreis weisen die Kritik zurück. Viele von ihnen überschreiten ihr von der Kassenärztlichen Vereinigung festgesetztes Budget und berichten von Regressforderungen über mehrere zehntausend Euro. Dr. Meike Bökemeier (Korbach) sieht das Sprachdefizit auch als gesamtgesellschaftliches Problem. Es werde in den Familien zu wenig gesprochen und zu viel Zeit mit Medien verbracht.

Wie Kinderärzte das Problem beurteilen und wie Sprachdefizite bei Vier- bis Viereinhalbjährigen frühzeitig entdeckt werden, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine/HNA Waldeckische Allgemeine.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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