Michaela Maurer und Uta Susewind von Beginn an dabei

Kindergarten in Bromskirchen besteht seit 20 Jahren

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Die Erzieherinnen Michaela Maurer und Uta Susewind waren vor 20 Jahren bei der Eröffnung des neuen Kindergartens in Bromskirchen dabei. Das Team um Leiterin Sandra Kinold (v.r.) hat in den zwei Jahrzehnten viele Veränderungen miterlebt.Fotos: Treude/Archiv

Bromskirchen - Am 3. September 1994 wurde der neue Kindergarten in Bromskirchen eröffnet. In 20 Jahren hat sich viel getan - in der Einrichtung selbst, aber auch was die Betreuung der Kinder betrifft. Zwei Erzieherinnen sind von Beginn an dabei.

„Ein wichtiges Ereignis für Bromskirchen.“ Diese Worte wählte Bürgermeister Karl-Friedrich Frese bei der Eröffnungsfeier des neuen Bromskirchener Kindergartens vor 20 Jahren. „Das war eine spannende Zeit. Wir wussten nicht so recht, was uns und die Kinder erwartet“, erinnert sich Erzieherin Michaela Maurer an die Zeit des Umzugs.

Sie war wie ihre Kollegin Uta Susewind vom ersten Tag an im Neubau Am Bimmig dabei. Spannend sei es vor allem deshalb gewesen, weil alles größer war, und es mehr Möglichkeiten als im alten Kindergarten gegeben habe, aber auch weil die Mitarbeiterinnen bei der Einrichtung mitreden durften. Vom einen Tag auf den anderen gab es vier statt zwei Gruppen, eine eigene Turnhalle und auch einen Personalraum. Der vorherige wurde schon mal für Elterngespräche oder Kleingruppenarbeiten genutzt. „Wir waren alle motiviert und haben uns auf das Neue gefreut“, sagt Uta Susewind.

An der Motivation hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei den Erzieherinnen nichts geändert. Was wohl auch daran liegt, dass in der Kita immer wieder Veränderungen anstanden. Dass die evangelische Kirchengemeinde damals die Trägerschaft an die Kommune abgegeben hat, habe nicht viel geändert, sagt Leiterin Sandra Kinold. Wichtig sei bis heute, soziale Werte und das menschliche Miteinander zu vermitteln - egal mit welcher Religion die Kinder aufwachsen. Seit 2003 ist der Förderverein Träger.

Die größte Umstellung war wohl die Eröffnung der Krippe für Kinder unter drei Jahren im Jahr 2011 - was eine ganz andere Art Betreuung durch die Erzieherinnen erfordert. Hinzu kommen auch auf den ersten Blick banale Dinge. Gingen Kinder früher zum Mittagessen nach Hause, so wird mittlerweile gemeinsam im Kindergarten gespeist - und die Jüngsten genehmigen sich danach ihr Mittagsschläfchen. Die Arbeitsbereiche haben sich also verändert.

Aber nicht nur an der Einrichtung Kindergarten an sich hat sich viel getan. Das Kita-Team um Sandra Kinold geht seit Mai gemeinsam mit den Kindern und Eltern neue Wege: „Wir waren schon immer ein offener Kindergarten, wir haben das Ganze nun ausgeweitet“, sagt die Leiterin. Zwar gibt es immer noch die feste Zugehörigkeit zur Regenbogen-, Sternen-, Sonnen- oder Mondgruppe, aber die Kinder dürfen nun jeden Tag selbst entscheiden, an welchem Programm sie teilnehmen wollen: also zum Beispiel Basteln, Turnen, Rollenspiele oder Aktivitäten im Freien.

„Zurück zum Wesentlichen“

So soll frühzeitig das Selbstbewusstsein gestärkt werden. Es geht um Partizipation und Selbstbestimmung. Die Kinder kommen mit Kindern und Erzieherinnen aus den anderen Gruppen in Kontakt, sie spielen nicht jeden Tag mit den gleichen Mädchen und Jungen. Das Ganze wird dokumentiert - will ein Kind jeden Tag nur Sport machen, dann lenken die Erzieherinnen ein. Das sei aber selten nötig. „Es gab auch bei uns Sorgen, ob wir den Kindern so gerecht werden. Aber das Konzept wurde vom ganzen Team mitgetragen“, sagt Sandra Kinold - und es scheint aufzugehen.

Dieser Einschnitt ist auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen. Eltern seien beruflich enger eingespannt, als es früher der Fall gewesen sei. Nur selten leben noch Oma und Opa mit im Haus, die auf die Kinder aufpassen könnten. Dazu komme ein verändertes Spielverhalten - auch durch Fernsehen, Internet und Spielekonsolen. Kinder seien heute weniger konzentriert, hätten Sprachdefizite und motorische Probleme.

„Zurück zum Wesentlichen“ heißt es laut Michaela Maurer daher für das Team der 15 Erzieherinnen. Zum Beispiel mit Klatschreimen und Fingerspielen. „Wir haben seit Kurzem einen Matschplatz. Das ist etwas, das sich Kinder früher mit Sand und Wasser selbst geschaffen hätten“, beschreibt Sandra Kinold. Lernprogramme sollen spielerisch in den Alltag eingebaut werden. Dazu gibt es Forschungsprojekte, bei denen die Kinder die Themen auswählen dürfen - so geht es mal um die Kartoffel und mal um Ante-Holz.

„Das Drumherum ist schwieriger geworden: die Anforderungen von Schule, Eltern oder Politik. Alle haben spezielle Wünsche, was die Kinder können sollen“, beschreibt Sandra Kinold. Aber das soll keine Beschwerde sein: „Wir kriegen einfach unheimlich viel von den Kindern zurück.“ Und so sagt auch Michaela Maurer nach über 20 Jahren im Kindergarten in Bromskirchen, dass die Begeisterung für den Job immer noch da sei. „Der Beruf ist nach wie vor toll.“

Für die Zukunft wünschen sich Sandra Kinold, Michaela Maurer und Uta Susewind eine ausgelastete Kita. Eines steht aber über allem: „Die Grundlage ist doch, dass sich die Kinder wohlfühlen“, sagt Erzieherin Uta Susewind.

Am Samstag, 6. September, wird der 20. Geburtstag der Bromskirchener Kindertagesstätte mit einem Familienfest gefeiert. Beginn ist um 11 Uhr mit dem Kinder-Mitmachkonzert mit dem Musiker „Herr H“. Nach dem Mittagessen folgen gegen 14 Uhr Auftritte der Kita-Kinder. Danach stehen Spiel, Spaß, Kaffee und Kuchen im Vordergrund. Zudem können Namensschilder gestaltet werden, die bald Teil eines Generationenwaldes sein sollen.

Hintergrund

Am 3. September 1994 fand die Einweihungsfeier der neuen Kindertagesstätte in Bromskirchen Am Bimmig statt. Die Räume des vorherigen Kindergartens in der heutigen Verwaltung waren zu klein geworden – statt zwei gab es fortan vier Gruppenräume, in denen Platz für 100 statt für 50 Kinder war. Am 1. Juli 1993 begann der Bau des 2,6 Millionen DM teuren Projekts, die Gemeinde Bromskirchen beteiligte sich mit 1,22 Millionen Mark. Auch die Stadt Frankenberg war mit 100?000 Mark dabei, sie beteiligt sich bis heute an den Betriebskosten, da Mädchen und Jungen aus Rengershausen die Kita in Bromskirchen besuchen. Es war die erste große Baustelle in der Ära von Bürgermeister Karl-Friedrich Frese, sein Vorgänger Rudi Müller hatte die Pläne verwirklicht. 2011 wurde die Krippe für Kinder unter drei Jahren eröffnet. Dort ist Platz für zwölf Kinder, derzeit sind alle 112 Plätze belegt – auch Kinder aus dem benachbarten Sauerland lernen und spielen in Bromskirchen. Zur Eröffnung 1994 besuchten 80 Kinder den Kindergarten.(tt)

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