"Teddyklinik" in Frankenberger Ederberglandhalle

Kindern die Angst vor Ärzten nehmen

Die beiden „Chefärztinnen“ Alexandra Pfister (links) und Marie-Luise Rübsam bekamen im vergangen Jahr bei der Behandlung am OP-Tisch Hilfe von David. Im Hintergrund Wulf Schröder und Adam Daume vom Lions-Club, Bürgermeister Rüdiger Heß und Dr. Rolf Bluttner vom DRK (von links).Archivfoto: Andrea Pauly

Frankenberg - Bärchen tun die Knopfaugen weh, Hasi schmerzen die Schlappohren und Mäuschens Schneidezähne wackeln: Leidenden Kuscheltieren kann am Montag, 17. Juni, ab 8 Uhr in der Teddyklinik geholfen werden.

Auf Einladung des Frankenberger Lions-Clubs ist die Teddyklinik der Studierenden der Marburger Philipps-Universität zum vierten Mal in Frankenberg zu Gast. Sprechzeiten sind am Montag, 17. Juni, ab acht Uhr. Kindertagesstätten aus dem Frankenberger Land, die sich noch nicht angemeldet haben, können dies noch im Internet auf der Seite www.teddyklinik-marburg.de nachholen.

Von 13 bis 14 Uhr ist Mittagspause. Nachmittags ist die Behandlung bis 16 Uhr angesetzt. Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren, deren Kuscheltier erkrankt ist, können vor- und nachmittags zur Behandlung bei den Ärzten vorbeischauen - in Begleitung eines Erwachsenen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Offizielle Eröffnung der Klinik für Kuscheltiere ist um 8.30 Uhr durch Bürgermeister Rüdiger Heß, Lions-Präsident Adam Daume und den Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes, Dr. Rolf Bluttner.

Teddydocs und -apotheker

Die Teddyklinik wird ehrenamtlich organisiert von Studierenden der Fachbereiche Medizin und Pharmazie der Marburger Philipps-Universität. Das Organisationsteam besteht aus rund 20 Studierenden höheren Semesters. Die freiwilligen „Teddydocs“ und „Teddyapotheker“ kümmern sich während der Sprechzeiten um die Kinder und ihre Kuscheltiere. Seit 2008 beteiligen sich auch Zahnmedizinstudenten an dem Projekt.

Alle Kuscheltierärzte haben spezielle Schulungen besucht, bei denen sie unter anderem von Psychologen auf die Arbeit in der Teddyklinik vorbereitet wurden. Ziel des Projekts ist es, Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren auf spielerische Art und Weise die Angst vor einem Arztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt zu nehmen. Dabei beobachten und erleben die Kinder in der Rolle der „Eltern“ ihrer kranken Kuscheltiere, wie diese untersucht und behandelt werden.

Entstanden ist die Idee vor einigen Jahren in Schweden, und seitdem hat sie sich immer weiter in Europa und auch in Deutschland verbreitet. Inzwischen praktiziert in vielen größeren Städten mindestens einmal im Jahr eine Teddyklinik. In Marburg wurde 2003 die erste Teddyklinik mit großem Erfolg auf dem Marburger Marktplatz organisiert. In Frankenberg gastieren die „Teddydocs“ und „Teddyapotheker“ zum vierten Mal.

Der Besuch in der Teddyklinik soll möglichst realistisch einen echten Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus simulieren. Die Kinder kommen mit ihren „kranken“ Kuscheltieren in die Klinik. Die „Krankheiten“ sollten sie sich zuvor mithilfe ihrer Eltern oder Erzieher ausdenken. Von der kleinsten Maus über die giftigste Schlange bis hin zum größten Bär wird jedes Kuscheltier behandelt.

Zuerst müssen die Kinder mit ihren Kuscheltieren an die Anmeldung kommen. Dort werden erste Daten wie die Namen des Patienten und des Begleiters aufgenommen. Anschließend geht es in den Wartebereich, in dem sie die Zeit verbringen können, bis sie von ihrem „Teddydoc“ aufgerufen werden. Dann gehen sie mit ihm und ihrem Kuscheltier in den Behandlungssaal. Zunächst wird die Krankheitsgeschichte erfragt. Dann wird das Tier gemessen, gewogen, Fieber und Blutdruck gemessen, es wird in Augen, Ohren und Mund geschaut und schließlich untersucht.

Für schlimme Fälle: Not-OP

Bei Verdacht auf einen Bruch wird der Radiologe aufgesucht, der ein Röntgenbild macht und Genaueres zu der Verletzung sagen kann. Bei Bestätigung des Bruchs wird eventuell ein Gips angelegt. Bei Bedarf kann außerdem ein Ultraschall gemacht werden, und für ganz schlimme Fälle steht immer der „Teddyprofessor“ für eine Not-OP bereit. Alle nicht ganz so schlimmen Fälle werden von den „Teddydocs“ selbst behandelt: mithilfe von Verbänden, Pflastern, Spritzen und Tropfen.

Am Ende der Behandlung bekommt jeder „Patient“ ein Rezept ausgestellt, das sein Begleiter in der Apotheke einlösen kann. Der „Teddydoc“ geht mit seinem Patienten in die Apotheke im Nebenraum. Dort warten bereits die „Teddyapotheker“ darauf, das Rezept entgegenzunehmen und Wärmflaschen, Eisbeutel oder Tees einzupacken und noch ein paar Tipps zur Anwendung und zur „Kuscheltherapie“ zu geben.

Die Kindergärten in der Region wurden vom Frankenberger Lions-Club um Projektorganisator Klaus Weise bereits schriftlich eingeladen. Etliche Einrichtungen haben sich schon angemeldet. Eine „Praxisgebühr“ wird nicht erhoben und auch die Medikamente sind zuzahlungsfrei.

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