Der bekannte Hamburger Theologe Fulbert Steffensky sprach in Bottendorf

Kirchen sind köstliche Orte

Tradierte Glaubens- und Lebensformen: Der bekannte Publizist und Theologe Fulbert Steffensky (rechts) schilderte in Bottendorf die Kirche als Raum, in der sich Spiritualität entfalten kann. Er wurde von Pfarrer Reinhold Schott begrüßt. Foto: Völker

Bottendorf. Er ist Auftritte vor großen Kirchentagsforen gewohnt, hat sich dort mit Nachdruck für eine im gemeinsamen Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen verwirklichte Ökumene ausgesprochen. In Bottendorf faszinierte der Hamburger Professor und Publizist Fulbert Steffensky in der bis auf den letzten Platz besetzten Martinskirche durch die ruhige Intensität seiner Sprache und verblüffende Perspektivwechsel in seinen Wortbildern. Die Kirche „als Haus, das die Träume verwaltet“, lautete sein Thema zur Bibelwoche der Kirchengemeinde Bottendorf-Willersdorf.

Unter den Zuhörern waren auch weit angereiste Gäste, darunter Pfarrer und Religionspädagogen, die bei Steffensky studiert hatten. „Viele von ihnen sind durch Sie geprägt worden“, gestand Pfarrer Reinhold Schott, als er den Theologen vorstellte: Steffensky lebte 13 Jahre lang als Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach, bevor er 1969 zum lutherischen Bekenntnis konvertierte und die evangelische Theologin Dorothee Sölle heiratete. Er lehrte als Professor bis 1981 in Hamburg Religionspädagogik.

In der Martinskirche richtete Fulbert Steffensky seinen Blick auf den Kirchenraum, „wo der Glaube wohnen kann“, so das Thema der Bibelwoche (HNA berichtete). „Kirchen sind köstliche Orte“, begann er und führte den Zuhörern die „dort verwahrten Schätze“, die Liebe zu den alten Traditionen und zu den „Hoffnungstexten“ vor Augen, deren Buchstaben immer wieder neu mit der Sprache des Geistes gefüllt werden müssten. „Die Toten haben uns in den Kirchen mit ihrer Überlieferung den Mantel des Glaubens hinterlassen in Form von Glaubensbekenntnis, Bildern, Liedern und Psalmen.“

Für den als Pfarrerssohn in Bottendorf aufgewachsenen Prof. Dr. Konrad Hammann (Münster) verbanden sich mit dem vom Vater erbauten Kirchenraum und vielen ihm vertrauten Zuhörern, die er dort auf Bottendorfer Platt begrüßte, alte Erinnerungen. Er zeigte am letzten Themenabend der Bibelwoche in seinem bebilderten Vortrag, dass Martin Luther seinen großen Erfolg als Reformator den gedruckten Flugschriften als damals aufkommendem Massenmedium zu verdanken hatte. Von Luthers insgesamt 45 Flugblättern waren 1519 mehr als 25000 Exemplare auf dem Markt.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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