Burgwald

„Kirchen sind wirklich köstliche Orte“

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- Burgwald-Bottendorf (resa). Er ist ein Künstler der Worte. Und wenn Fulbert Steffensky spricht, dann werden Massen plötzlich ruhig und Kirchenväter zuweilen nervös. Am Mittwochabend war der Theologe bei der Bibelwoche in Bottendorf zu Gast.

Es ist kein großer Auftritt mit Lichtkegeln und viel Tamtam. In aller Ruhe ist Fulbert Steffensky durch das dunkle Bottendorf spaziert, hat seine Gedanken gesammelt und Ruhe gefunden, bevor er seinen Platz in der ersten Kirchenbank eingenommen hat. Er lauscht den Tönen des Posaunenchores, ahnt die große Besuchermenge hinter sich und als Pfarrer Reinhold Schott ihm das Zeichen gibt, macht er sich langsam auf zur Kanzel. Viele kennen sein Gesicht, seinen ruhigen Blick und das Schmunzeln, das seine Mundzüge umgibt – von einem Buchrücken, aus Zeitschriften oder von Kirchentagen.

„Sie haben viele von uns geprägt“, hatte Pfarre Schott schon in seinem Willkommenswort gesagt. Tatsächlich ist Fulbert Steffensky einer der bedeutenden Theologen in Deutschland, nicht erst seit seiner Ehe mit der streitbaren Dorothee Sölle. Doch als der 77-Jährige auf der Kanzel steht, sein Manuskript ordnet und die Uhr in den Blick nimmt, geht es nicht um Ruhm oder Anerkennung. „Ich will ihnen von den Kirchen erzählen“, sagt er mit einem offenen Blick in das große Publikum, „sie sind wirklich köstliche Orte“. Doch, was folgt, ist keine Lobrede auf die Institution, sondern ein Blick auf die Menschen.

Die Kirche – das Haus, das die Träume verwaltet, hat der Theologe seinen Vortrag genannt. 2009 schrieb er ein Buch mit diesem Titel. Was wenn auch schön, doch auch abstrakt klingt, füllt Steffensky schnell mit Leben. „In den Kirchen haben die Menschen lange vor uns gehofft, gejubelt und geweint“, sagt er, „deswegen können uns die Kirchen das Beten lehren“. Im ersten Teil ist es vor allem der Blick zurück, der Mut machen soll. „Viele Menschen vor uns haben gehofft“, betont er, „und von ihrer Hoffnung können wir lernen“. Und deswegen sei die Kirche so etwas wie eine Hoffnungsverleihanstalt. „Denn sie bietet dem Menschen Gesten und Worte und Texte, in die er flüchten kann, wenn ihm selber die Worte noch fehlen“, erklärt Steffensky. Der Segen, die Gebete und Lieder seien Formen, die uns die Ahnen hinterlassen haben, um von ihnen Glauben und Hoffen zu lernen. Das sei die Fremdsprache des Glaubens.

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