100 Jahre Kirche in Ernsthausen

Kirchengeschichte voller Erinnerungen

Burgwald-Ernsthausen - Wie lange es in Ernsthausen überhaupt schon ein Gotteshaus gibt, weis der Historiker Dr. Ulrich Stöhr nicht. Fest steht, dass der jetzige Kirchenbau seit 100 Jahren in der Mitte des Dorfes steht. In einem Vortrag hat Stöhr ausgeführt, was außerdem über das Gebäude bekannt ist

„Seit wann es in Ernsthausen eine Kirche gibt, ist leider nicht bekannt“, stellte Dr. Ulrich Stöhr gleich zu Beginn seines Vortrags in der Kirche klar. Er hatte in zahlreichen historischen Dokumenten über den Vorgängerbau der heutigen Ernsthäuser Kirche recherchiert.

Die Kirche wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Am 19. Januar 1913 wurde sie vom damaligen Ernsthäuser Pfarrer Balzer eingeweiht. Stöhr zitierte dessen Worte von vor 100 Jahren: „Möchten wir alle, die gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechter, in demselben unserem allerheiligsten Glauben stehen.“

Das Gotteshaus war Mitte der 60er Jahre im Innenraum saniert worden. In den 70er Jahren folgte die Instandsetzung des Chorraumes. Viele Ernsthäuser erinnern sich noch an die Erneuerung des Turmhelms im Jahr 1979. Auch die vielen Bilder, die die Bänke und Decken der Kirche zieren, sind liebevoll erneuert worden.

In seinem Vortrag ging Stöhr ausführlich auf die teilweise unklare Geschichte der Vorgängerkirche ein.

Vermutungen über den Bau des Gebäudes reichen zurück bis zum Beginn des 16. Jahrhundert. Die alte Kirche sei ein dreigeschossiger Bau gewesen, der einem Bauernhaus ähnelte. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert gibt es in Kassenbüchern und anderen Dokumenten zahlreiche Hinweise auf Anbauten, Renovierungen, Innenraumgestaltung und die Verwendung des westlichen Teils als „Wildscheuer“.

Der Bottendorfer Historiker Stöhr berichtete von langjährigen Diskussionen im 19. Jahrhundert vor dem Abriss der zu kleinen und vor allem baufälligen Kirche. Schon damals war die fehlende Finanzierung das Hauptproblem der Kirchengemeinde. Neben den kirchlichen Gremien hätte sich auch die bürgerliche Gemeindevertretung für einen Neubau stark gemacht.

Im benachbarten Gemeindehaus eröffnete der Kirchenvorstand im Anschluss an die historische Theorie zur Kirche eine Bilderausstellung mit Erinnerungen und Einblicken aus mehr als einem Jahrhundert Leben in der Kirchengemeinde. Die zahlreichen Aufnahmen zeigen die abgerissene Vorgängerkirche, die Konfirmationsjahrgänge ab 1920, Auftritte des Posaunen- oder Kirchenchors sowie Fotodokumentationen über die Renovierungen in den 60er- und 70er-Jahren.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni täglich von 17 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

von Frank Seumer

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