Auf der Kirmes flogen die Fäuste: Geschwister wegen Körperverletzung verurteilt

Marburg/Frankenberger Land. Das Marburger Amtsgericht hat eine 37-Jährige aus dem Frankenberger Land und ihren 19-jährigen Bruder wegen Körperverletzung zu Geldstrafen und Sozialstunden verurteilt. Beide hatten gestanden, bei einer Feier jeweils drei Menschen verletzt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, bei einer Kirmes im September 2013 in Haina einen Mann sowie eine Frau geschlagen, gebissen und gewürgt zu haben. Ein weiterer Mann berichtete, ebenfalls gewürgt worden zu sein, als er eingeschritten sei.

Auf derselben Feier soll ihr Bruder unabhängig von der Angeklagten einen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, sodass dieser eine offene Wunde an der Lippe davontrug. Einen weiteren Gast soll er gebissen und eine Frau gegen ihr Ohr geschlagen haben. Wie die Zeugin vor Gericht berichtete, habe sie etwa zehn Tage auf dem Ohr gar nichts mehr gehört. Und heute höre sie immer noch nicht gut. Darüber hinaus soll der Angeklagte einem Jugendlichen ein Messer an den Bauch gehalten haben. Der Vorwurf der Bedrohung wurde aber eingestellt.

Ebenso der Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Versicherungsschutz. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann mit einem Motorroller in seinem Heimatort unterwegs. Der Nachbar, der die Anzeige erstattet hatte, bekräftigte dies noch einmal. Der Roller sei sehr laut gewesen und es sei unzweifelhaft der Angeklagte gefahren. Dieser bestritt dies vehement. Letztlich reichte die Aussage weder Staatsanwalt noch Gericht. Er glaube zwar dem Zeugen, so Richter Thomas Rohner, jedoch gehe aus dessen Aussage nicht hervor, ob der Roller versichert gewesen sei, oder ob für ihn ein Führerschein nötig gewesen wäre.

Nachdem das Gericht den Angeklagten Höchststrafen in Aussicht gestellt hatte, sollten diese gestehen. Sie gaben alle verbliebenen Vorwürfe zu. Erklären konnten sie ihr Verhalten nicht. Beide gaben an, betrunken gewesen zu sein. „Das war wohl mein Verhängnis“, sagte die 37-Jährige. Die Opfer hätten sie nicht gekannt, so die Angeklagten. „Das war relativ wahllos“, merkte Rohner an. Weil die Frau bisher noch nicht straffällig geworden war, beließ es das Gericht bei einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro. Mit einem blauen Auge kam auch der 19-jährige davon, obwohl die Jugendgerichtshilfe darauf hingewiesen hatte, dass er generell sehr aggressiv sei und auch bereits zweimal wegen Körperverletzung verurteilt worden sei. Das Gericht behielt sich eine Verurteilung zu einer Jugendstrafe lediglich für zwei Jahre vor, sollte er in dieser Zeit noch einmal auffallen. Ableisten muss er jedoch 300 Stunden gemeinnützige Arbeit. (kse)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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