Hatzfeld

Klare Stimmen aus Russlands Tiefen

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- Hatzfeld - Reddighausen (mk) Der russische Don-Kosaken-Chor von Serge Jaroff war am Samtag in Reddighausen zu Gast beim Konzert der Chorgemeinschaft. Die Gäste begeisterten mit orthodoxen Kirchenliedern und russischen Volksweisen.

Das Konzert war bereits seit Langem als gemeinschaftliche Aktion der Chorgemeinschaft und dem russischen Chor geplant. Dementsprechend eröffneten die Reddighäuser den Abend mit drei weihnachtlichen Liedern. Dirigiert wurden sie von ihrem Chorleiter Karl-Heinz Wenzel, der auch als Solist auftrat. Höhepunkt des Abends war der Auftritt des weltbekannten Kosaken-Chores. Seit mehr als dreißig Jahren wird er von Wanja Hlibka geleitet. Der Chor wurde 1919 von Serge Jaroff gegründet. In dieser Zeit des russischen Bürgerkriegs nach dem Sturz des Zaren flohen Kosaken vor der Roten Armee Lenins in den Westen, weitere wurden vertrieben, weil sie auf der Seite der Monarchisten standen. Jaroff stellte seinen ersten Chor 1921 in einem Internierungslager in der Türkei zusammen. Daraus entwickelte sich ein Profi-Ensemble, das heute weltweit bekannt ist, es glänzt bei zahlreichen Konzerten und Fernsehauftritten.

Die 18 stimmgewaltigen Männer schafften es ohne zusätzliche Verstärkung, die ausverkaufte Festhalle mehr als ausreichend zu beschallen. Neben der Leistung des gesamten Chores sorgten vor allem die zahlreichen Solisten für Begeisterung. Kräftige Bässe und die klaren Stimmen der einzelnen Sänger ließen russische Melancholie, Herzlichkeit und Innigkeit lebendig werden. Die Kosaken trugen orthodoxe Kirchenlieder und russische Volksweisen vor, die sich auch im Westen großer Beliebtheit erfreuen. Zum Teil taten sie dies auch in deutscher Sprache. Dabei kombinierten sie die bekannten Melodien auch mit fremden Klängen.

Ihren Auftritt beschlossen sie mit dem bekannten Lied „Grünes Gras und Kalinka“ sowie dem deutschen Weihnachslied „Leise rieselt der Schnee“. Der Abend wurde stimmungsvoll beendet mit dem berühmten Stück „Ich bete an die Macht der Liebe“, das trefflich die alten deutsch-russischen Verbindungen symbolisiert: Das Kirchenlied hatte der niederrheinische Prediger Gerhard Tersteegen im 18. Jahrhundert geschrieben, der Ukrainer Dmytro Bortnjanskyj führte es im 19. Jahrhundert neu vertont am russischen Zarenhof ein – und deutsche Militärs nahmen die russische Weise in ihren „Großen Zapfenstreich“ auf, bis heute gilt sie als ein bewegender Höhepunkt der Zeremonie. Die Don-Kosaken und die gastgebende Chorgemeinschaft sangen das beliebte wie anrührende Lied gemeinsam und führten so deutsche und russische Tradition wieder zusammen.

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