Frankenberger Dr. Hendrik Sommer untersucht Alternative für die Schweinemast

Kleeblatt statt Saubohne

Dr. Hendrik Sommer: Auf einer Versuchsanlage bei Frankenberg hat er für seine Untersuchungen verschiedene Kleesorten angepflanzt. Foto:  zgm

Frankenberg. Er pflanzt verschiedene Sorten Klee an, trennt die Blätter von den Stängeln und untersucht, ob das Blattwerk für die Mast alleine besser geeignet ist als die ganze Pflanze: Seit einigen Monaten beschäftigt sich der Frankenberger Agrarwissenschaftler Dr. Hendrik Sommer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kassel, mit der Nutzbarmachung von heimischen Eiweißquellen als Futtermittel für die Ernährung von Schweinen und Geflügeltieren.

„Eine außergewöhnliche Alternative zur bisherigen Fütterung“, sagt Sommer. Sein Ziel: Mit Kleeblättern will er eine Ergänzung der Futterversorgung im ländlichen Raum schaffen. „Es geht darum, eine Alternative für die Ackerbohne – bei uns auch als „Saubohne“ bekannt – und den Erbsenanbau zu überprüfen“, beschreibt Sommer die Untersuchungen, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert werden.

Angesiedelt bei Uni Kassel

Angesiedelt ist das Projekt an der Uni Kassel – konkret beim Fachgebiet für Tierernährung und Tiergesundheit am Standort in Witzenhausen. „Ackerbohne und Erbsen sind die klassischen Eiweißträger“, erklärt Sommer, „stattdessen untersuchen wir nun Rotklee, Weißklee, Inkanatklee und Luzerne.“ Diese Kleearten kommen bisher in der Rinderfütterung zum Einsatz. Für die Ernährung von Schweinen und Geflügel wurde Klee bislang dagegen kaum verwendet. Hintergrund: Bedingt durch die Halme, verfügen diese Pflanzen über einen zu hohen Rohfaserwert.

„Deshalb trennen wir nun die Blätter von den Stängeln“, erklärt Sommer, der für das Projekt zusammen mit Professor Albert Sundrum von der Universität Kassel hauptverantwortlich ist. Dazu werden die Pflanzen im Labor getrocknet und anschließend per Hand zerkleinert. Letztlich bleibt nur die Blattmasse übrig, die sieht dann aus wie zerbröselter Tee. „Wir wollen die Nährstoffe der Pflanzen analysieren, nicht das Wasser“, erklärt Sommer.

Die ersten Ergebnisse der Untersuchungen gibt es bereits: „Es hat sich gezeigt, dass beispielsweise Rotklee unter ökologischen Anbaubedingungen bis zu anderthalb mal mehr Ertrag bringen kann als die Ackerbohne“, berichtet Sommer. Das heißt: Von derselben Fläche können mehr Tiere ernährt werden. Oder anders formuliert: Ein Kilogramm Schweinefleich von der Ackerbohne entsprechen anderthalb Kilo Schweinefleisch vom Rotklee.

Auch eine erste Veröffentlichung hat Sommer bereits eingereicht. Bei der Wissenschaftstagung „Ökologischer Landbau“ im kommenden März in Bonn wird der Frankenberger sein Projekt erstmals öffentlich vorstellen. Sommer beurteilt sein Projekt selbst als „sehr vielversprechend“. Die Versuche könnten zu einer Alternative in der ökologischen Landwirtschaft bei der Fütterung von Schweine und Gefügel führen.“

Wirtschaftliche Herstellung

Ein Problem: Bisher wurde nur untersucht, ob die Kleeblätter von der Qualität her verwendet werden können. Jetzt muss noch geprüft werden, ob das Futter aus Klee auch wirtschaftlich hergestellt werden kann. Sommer ist aber optimistisch, dass alles klappen wird: „Wir wollen einen Beitrag zur nationalen Eiweißversorgungsstrategie beitragen“ – auch wenn auf Ackerbohne und Sojaschrot auch künftig nicht verzichtet werden können. (zgm)

Quelle: HNA

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