Erfolgreiche Behandlung für Frankenberger Harald Thamm

Kleines Wunder: Tumor nach Ionenstrahl-Therapie verschwunden

Legte sich nochmal auf den Behandlungsplatz im Marburger Partikeltherapiezentrum: Patient Harald Thamm aus Frankenberg. Foto: Nadine Weigel

Marburg/Frankenberg. Er habe jetzt mal wieder einen Wein getrunken. „Sie glauben gar nicht, wie der mir schmeckt“, sagt Harald Thamm zu seinem Arzt Dr. Fabian Eberle von der Klinik für Strahlentherapie am Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM).

Wenig später trinkt Thamm während der Pressekonferenz ab und an einen Schluck aus seinem Fläschchen mit Apfelschorle.

Dass der 75-jährige Frankenberger problemlos schlucken und sprechen kann, ist ein kleines Wunder. Mediziner sagen, er hat rechtzeitig die richtige Therapie gemacht und ist erfolgreich behandelt worden: Sein Tumor im Gaumen ist verschwunden. Im Spätherbst bemerkte sein Zahnarzt bei einer Routinekontrolle eine seltsame Wucherung im Gaumen. Thamm ging sofort zur Hals-Nasen-Ohren-Klinik nach Marburg. Dort erfuhr er nach einer Biopsie, dass er einen ganz seltenen Speicheldrüsentumor hat. Vier von 100 000 Einwohnern erkranken in Deutschland jedes Jahr an Speicheldrüsenkrebs, nur die Hälfte von ihnen hat wie Thamm einen bösartigen Tumor in der kleinen Speicheldrüse.

Thamm war in den vergangenen Monaten einer der ersten 50 Patienten, die am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) behandelt wurden. Die etwa murmelgroße Krebsgeschwulst konnte mit der Partikeltherapie weitestgehend ohne Nebenwirkungen therapiert werden, erklärt Professor Rita Engenhart-Cabilic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKGM und MIT.

Thamm hatte die Wahl: Er hätte sich laut Medizinern einer aufwändigen Operation und anschließender Strahlentherapie unterziehen können – das wäre das Standardverfahren. Alternativ wurde ihm die Möglichkeit der neuen Partikeltherapie angeboten. Thamm willigte ein und ist nach dem Behandlungserfolg ein glücklicher Mensch.

Der Vorteil bei der Partikel- oder auch Ionenstrahltherapie ist, dass Tumorzellen punktgenau zerstört werden können, das umliegende Gewebe aber geschont wird.

Dafür werden hochenergetische positive Ionen mit Hilfe von ultrastarken Elektromagneten auf bis zu drei Viertel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann auf den Tumor gelenkt. Dadurch wird die DNA in den Zellkernen zerstört, die Zellen sterben ab und der Tumor entwickelt sich zurück.

Ein klassischer chirurgischer Eingriff hätte womöglich den Kieferbereich verstümmelt, erklärte Professor Afshin Teymoortash.

Harald Thamm musste über rund sechs Wochen 33 Mal bestrahlt werden. Alles erfolgte ambulant. Die Behandlungskosten habe seine Kasse getragen. Auch wenn das neue Bestrahlungsverfahren noch keine Regelleistung der Kassen sei, sei es auch aus wirtschaftlicher Sicht von Vorteil, so Engenhart-Cabilic. Die Kosten der Strahlentherapie belaufe sich am Gesamtbudget der Onkologie auf acht Prozent. Im Fall Thamm kostete die Behandlung 35 000 Euro statt geschätzt 100.000 Euro für Operation und Nachbehandlung.

„Was sind Kosten?“, fragt Thamm während der Pressekonferenz. Für ihn zählt nur die wiedererlangte Freude und Lebensqualität. Seine Ärztin spricht noch nicht von einer Heilung: Das Wort verwenden Mediziner erst fünf Jahre nach der Behandlung. Obwohl der Tumor nun weg ist, bestehe noch ein Restrisiko – auch wegen möglicher Nebenwirkungen.

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Von Anna Ntemiris

Quelle: HNA

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