Tragende Balken der historisch bedeutsamen Kirche werden aufwändig erhalten oder ausgetauscht

Ein Kleinod bekommt neue Stützen

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Allendorf-Rennertehausen - Die Rennertehäuser Kirche ist mehr als 500 Jahre alt. So alt sind auch die Eichenbalken der Fachwerkkirche. An vielen Stellen wird das Holz derzeit ausgetauscht, um die Kirche noch weitere Jahrhunderte überdauern zu lassen.

Ein Gerüst steht seit Mitte März an dem Gotteshaus, schwere Balken stützen das alte Gebäude. Denn die Zimmerleute arbeiten derzeit an der Schwelle – dem Holzbalken, der auf dem Sandstein-Mauerwerk aufliegt und auf dem das Fachwerk aufbaut. Dadurch ist das gesamte Gebäude instabiler, weswegen momentan die Glocke des Gotteshauses nicht geläutet wird. Die lässt laut Pfarrer Claus Becker nämlich das ganze Haus leicht erzittern.

Dass die Kirchengemeinde neben der Battenfelder Kirche derzeit auch die Sanierung der Rennertehäuser Kirche stemmen muss, ist mehr ein Zufall: Das Fachwerkgebäude ist eigentlich verschiefert. Wie der Pfarrer berichtet, fielen die Platten ab, weil sie bereits spröde waren. Bevor das Gotteshaus neu verkleidet wurde, wollte Becker die Gelegenheit nutzen und gucken, in welchem Zustand das Fachwerk ist – „bevor wir die Schäden abdecken und in zehn Jahren wieder anfangen“. Dabei wurde entdeckt, dass die schweren Eichenbalken an vielen Stellen Schäden durch Feuchtigkeit davon getragen haben.

Wie Pfarrer Becker erklärt, nimmt die Sandsteinmauer Wasser auf. Das zog über die Jahrhunderte in den auf der Mauer aufliegenden Schwellbalken und zerstörte ihn. Spröde ist das Holz nun an einigen Stellen und lässt sich auseinanderbrechen. Wo die Balken sich noch retten lassen, werden sie erhalten – ansonsten tauschen die Zimmerleute sie gegen neues Eichenholz aus.

Um künftig Wasserschäden zu verhindern, wird eine Mörtelschicht zwischen Schwelle und Mauer aufgetragen. So kann die Feuchtigkeit nicht mehr in das Holz ziehen. In der Kirche ist deutlich zu sehen, wie die Sandsteine Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen. Innen werde das Mauerwerk daher mit Mörtel verputzt, von außen erhält der Sandstein unterhalb der Grasnarbe einen speziellen Lehmputz – der verhindert, dass Feuchtigkeit in den Stein eindringt, lässt aber Wasser aus dem Stein nach außen ziehen.

Bis zum Juni sollen die Zimmerarbeiten laut Becker beendet sein. Dann rücken die Dachdecker an und verkleiden das Gebäude neu mit Schiefer. Das Dach werde entwässert, der Kanal erneuert und die Kirche trocken gelegt. Im September soll alles fertig sein, wenn es nach Plan geht. „Ich fände es schön, wenn wir Weihnachten hier feiern können“, sagt Becker. Das Ende der Bauarbeiten liege sicherlich zwischen diesen beiden Terminen. Dann sollen auch die bunten Glasfenster die Kirche wieder zieren und sowohl die Geschichte der klugen und törichten Jungfrauen, als auch die Verleugnung des Petrus erzählen. Derzeit liegen sie bei einem Glasmaler in der Werkstatt – die Bleifassungen müssen erneuert werden.

Insgesamt werden die Arbeiten an der Kirche rund 200000 Euro kosten, wie Becker schätzt. Finanziert werde ein Teil über die Stiftung der Kirchengemeinde, bei der jeder Kirchenfreund ab einer Einlage von 1000 Euro Stifter werden könne.

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