Regisseur Christoph Oliver Strunck präsentiert Doku im Frankenberger Kino

Das Klettern als Metapher für das Leben

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Frankenberg - Der Ausbruch aus dem geregelten Leben erfordert Mut - Gleiches gilt für das Klettern in luftigen Höhen. Der Friedberger Jens Eisenkrämer hat die Komfortzone verlassen und Christoph Oliver Strunck hat ihn mit der Kamera begleitet. Das Ergebnis eines von Leidenschaft und Verbissenheit Getriebenen präsentierte der Regisseur im Frankenberger Kino.

Sämtliche Muskeln des Körpers sind angespannt, die Oberarme zittern vor Anstrengung, die Finger krallen sich an einen winzigen Felsvorsprung, nur ein Fuß berührt noch die fast glatte Mauer. Dem Schrei der Anstrengung folgt der Griff ins Leere. Jens Eisenkrämer baumelt in der Luft, seinen Frust lässt er lautstark raus, sodass es auch der letzte Friedberger mitbekommen haben dürfte. Es hat wieder nicht sollen sein.

2011 setzt sich Jens Eisenkrämer ein ehrgeiziges Ziel. Er will den 54 Meter hohen Adolfsturm der Friedberger Burg erklimmen - nur befestigt an zwei Seilen und vor Publikum. Bei der Umsetzung dieses Projektes begleitet ihn ein Kamerateam. Am Donnerstagabend präsentierte­ Regisseur Christoph Oliver Strunck im Frankenberger Thalia-Kino etwa 20 Interessierten die beeindruckende Dokumentation.

Beeindruckend, weil es nicht die Geschichte eines erfolgreichen Extremkletterers ist - wie zum Beispiel in „Am Limit“ über Alexander Huber. Es ist die Geschichte eines eigentlich normalen Friedbergers, der genug vom normalen Leben hat. Jens Eisenkrämer will von seinem Hobby leben können. Dafür schmeißt er seinen Job als Zahntechniker hin und verzichtet zum Unverständnis der Eltern und der Oma auf ein gutes Gehalt und einen Dienstwagen.

Mit Freunden will er einen Kletterpark in Wiesbaden aufbauen, sein persönliches Ziel ist aber zunächst der Adolfsturm. „Es ging nicht darum, höher, schneller, weiter zu zeigen, sondern was es bedeutet, sein Leben in den Dienst der Leidenschaft zu stellen“, erklärt Strunck. Mit einem Budget von nur 25000 Euro haben die Filmemacher das Projekt an 25 Drehtagen umgesetzt.

Der Film zeigt Eisenkrämer, der zunächst motiviert und ehrgeizig beginnt. Misserfolge beim Training und beim Planen der Kletterhalle schlagen auf die Stimmung. Durch seine Verbissenheit droht das Scheitern. Eisenkrämer überwirft sich mit seinem Kletterpartner und Bruder. Erst beim Klettern in der imposanten Verdonschlucht in Frankreich findet er auch dank einer Ansage seines Freundes wieder auf den rechten Weg. „Das Klettern nimmt einen großen Platz in seiner inneren Stimme ein. Es bestimmt sein Leben“, sagt einer seiner Freunde.

Eisenkrämer rauft sich zusammen und bezwingt im Training den Turm. Bei der Benefizveranstaltung mit über 1000 Zuschauern schafft er es nicht. Dennoch sagt Eisenkrämer: „Es ist irgendwie gar nicht so schlimm.“ „Obwohl er am Turm scheitert, ist es doch sein größter Erfolg“, weiß Strunck. Denn der Turm war nur eine Etappe auf dem Weg Eisenkrämers. Heute arbeitet er in einer selbst mit aufgebauten Kletterhalle.

Die Dokumentation „Meine innere Stimme“ läuft am Samstag, 17. März, um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 18. März, um 17 und um 19.30 Uhr im Frankenberger Thalia-Kino. (tt)

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