Landesmuseum holt "alte Frankenberger" ab

Knaggen verlassen ihre Heimat wieder

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Freude bei Restauratorin Carola Klinzmann, eine gewisse Melancholie bei Heiner Wittekindt und Hans Papenfuß: Die Knaggen des alten Bichmann‘schen Hauses verlassen nach fünf Jahre als Leihgabe das Kreisheimatmuseum wieder in Richtung Kassel.Fotos: Glotz

Frankenberg - Abschied von zwei uralten Frankenbergern: Da die Renovierung des Kasseler Landesmuseums dem Ende entgegengeht, werden entliehene Schätze wieder eingesammelt. Das trifft auch Knaggen, die seit fünf Jahren im Kloster Sankt Georgenberg zu sehen waren.

Für Hans Papenfuß waren zwei Knaggen aus dem Jahr 1562 die liebsten Stücke der Ausstellung zum heimischen Großkünstler Philipp Soldan: „Hier blieben die Leute immer stehen, es gibt so viel zu erzählen“, sagt er. Vorbei: Gestern holte Carola Klinzmann, Restauratorin des Landesmuseums in Kassel, die beiden Unikate ab. Sie sollen wieder in ihrem heute angestammten Haus zu sehen sein. In ihrer alten Hei-mat Frankenberg waren die Knaggen, weil das Landesmuseum in Kassel umfassend renoviert wird. Zum Rathausjubiläum kamen die Figuren mitsamt der wertvollen Ratsherrenbank Soldans ins Kreisheimatmuseum im alten Kloster Sankt Georgenberg.

Die Bank ist schon längst wieder in Kassel - nur zwei Jahre konnten sich die Frankenberger ihr wertvolles Stück anschauen. Es war 1882 von der Stadt Frankenberg für 150 Goldmark an den hessischen Verein für Geschichte und Landeskunde verkauft worden. Zusammen mit den Knaggen wurde es im Landesmuseum ausgestellt. Und dort soll das Ensemble künftig auch wieder zu sehen sein: „Die Knaggen erhalten einen eigenen Bereich mit der Ratsherrenbank“, erläutert Restauratorin Klinzmann - und ergänzt: „Eine Ausstellung über hessische Kunst, ohne Philipp Soldan wäre das undenkbar.“

Ausstellung ab Ende 2015

Den beiden alten Herren sind also besondere Plätze gewiss. Zu sehen sein sollen sie jedoch erst Ende 2015. So lange braucht das Museum, um nach Ende der Renovierungsarbeiten ein Gesamtkonzept zu erstellen. „Es ist natürlich schade, dass wir die Knaggen dennoch schon jetzt abgeben müssen“, bedauert Heiner Wittekind, Leiter des Kreisheimatmuseums. Doch die Figuren werden benötigt: „Die Architekten brauchen sie zum Erstellen der Ausstellung. Nur mit Fotos geht das nicht. Sie kriegen dann auch Katalognummern, der Katalog muss noch erstellt werden“, beschreibt Klinzmann das weitere Vorgehen.

Zuerst aber müssen die Knaggen ordentlich in Schutz- und eine Luftpolsterfolie einge-packt, vorsichtig nach Kassel transportiert werden, um dort nochmal unter die Lupe genommen zu werden. „Ich möchte schauen, ob vor der Ausstellung noch eine Restaurierung nötig ist“, sagt Klinzmann - wirft einen ersten Blick auf die beiden Figuren und sagt erfreut: „Viel muss da aber sicher nicht gemacht werden.“ Die Frankenberger haben ihre alten Herren offenbar gut behandelt.

Beleg für Soldans Humor

„Der Soldan-Humor ist auch hier wunderbar wiederzufinden“, sagt Hans Papenfuß über eines der Stücke: Es zeigt einen bärtigen Mann und darunter eine Figur, die dem Betrachter den aufgerissenen Mund hinhält, ihm die Zunge entgegenstreckt. An seinem edlen Mantel tragt er eine Geldbörse in Form einer Eule. „Seid schlau, dann könnt auch ihr euch so ein Haus leisten“, interpretiert Heiner Wittekind die bildliche Darstellung, die von einer Teufelsfratze an der Liebfrauen-kirche inspiriert ist.

Düsterer die zweite Knagge, deren obere Hälfte ein weite-rer Bärtiger ziert. Darunter ein Spruchband: „Ich wis das min Erloser lebet - un ich werd of-stan“, steht dort geschrieben.

Die Wand im alten Kloster, von der die Knaggen bisher auf die Besucher hinabschauten, muss nach dem Abtransport nicht lange leerbleiben. „Wir haben schon Pläne“, verrät Wittekind und weist auf Steinfiguren des Tyle von Frankenberg. Die meisten liegen auf einer Holzplatte. Einige stehen bereits auf Sockeln an den Wänden - so wie ehedem in der Marienkapelle, von wo sie stammen: „Jetzt haben wir Platz, diese Reihe fortzusetzen“, wischt der Museumsleiter den Kummer um den Wegzug der höl-zernen Knaggen beiseite.

Die Figuren zeigen Propheten und Apostel - so pfiffige Anspielungen wie Soldans Knaggen bieten sie kaum. Zum Zunge-Herausstrecken fehlt ihnen zumeist schlicht der Kopf.

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