Aufplatzen im Oberen Edertal

Knalle im Schneegestöber

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Etwa 30 junge Männer der Burschenschaft gingen in Laisa mit ihren Peitschen von Haus zu Haus. Sie ließen sich auch von Schnee und Kälte nicht abschrecken.Foto: Treude

Battenberg/Allendorf (Eder) - Am „dritten Weihnachtstag“ knallte es in vielen Dörfern des Oberen Edertals. Unter anderem in Laisa, Berghofen und Rennertehausen waren junge Männer mit ihren Peitschen unterwegs.

Bei Schnee und Wind die Peitsche knallen lassen: Vor dieser durch die widrigen Wetterbedingungen nicht unbedingt leichten Aufgabe standen am Samstag viele junge Männer in Laisa, Berghofen und Rennertehausen. Sie gingen der Tradition des Ausplatzens nach und ließen sich auch nicht von Glätte und Kälte abschrecken.

Schließlich haben die Männer einen Auftrag. Früher platzten die Burschen für die Mägde, die zum Ende des Jahres auf einen anderen Hof wechselten. Damit sollte für die geleistete Arbeit gedankt und böse Geister vertrieben werden. Und so ziehen heute die unverheirateten Männer zwischen 14 und bis zu 30 Jahren von Haus zu Haus. Sie statten den unverheirateten Frauen des Dorfes einen Besuch ab. Im Takt knallt dann die Peitsche, das Vorgehen ist von Dorf zu Dorf leicht unterschiedlich.

Am Abend feiern Männer und Frauen gemeinsam

In Rennertehausen ist es die Gruppe „Die Platzer“, junge unverheiratete Männer, die durch das Dorf gehen und den jungen Frauen mit ihren „Geßeln“ (Peitschen) im Vierertakt ein „Peitschenknaller-Ständchen“ bringen. Auch die Geschäftsleute in Rennertehausen und in Allendorf, Battenfeld und Battenberg, mit Rennertehäuser Wurzeln werden besucht und bekommen ein Ständchen geplatzt.

Als Gegenleistung erhalten die Burschen eine Geldspende, rote Wurst oder Eier - und das wiederum wird mit dem ein oder anderen Dreschmaschinenschnaps belohnt. Tradition ist abends die gemeinsame Feier der jungen Frauen und Männer, früher in einer Rennertehäuser Gaststätte und seit einigen Jahren im Sportlerheim. Dort werden Eier gebacken und verzehrt und Geldspenden für Getränke eingesetzt.

Einen Teil der Geldspenden lassen die Platzer wieder in das Dorfleben zurückfließen. Die Gruppe der aktiven Platzer besteht derzeit aus sieben jungen Männern, von denen zwei 2015 das letze Mal dabei sein werden, denn dann überschreiten sie die Altersgrenze von 30 Jahren.

Bis zu 30 junge Männer der Burschenschaft waren in Laisa mit ihren Peitschen unterwegs. „Wir haben vor sechs Wochen das erste Mal geprobt“, sagte der Vorsitzende Jan Isenberg. Das ist notwendig, damit der Dreiertakt - jeweils drei der Platzer lassen nacheinander ihre Peitschen knallen - dann auch sitzt. Los ging es am Samstagmorgen gegen 9.30 Uhr, denn es galt ein straffes Programm abzuarbeiten. 25 unverheiratete junge Frauen erhielten Besuch von den Burschen, viele luden auch zum Aufwärmen ins Haus ein und schenkten Schnaps aus.

Mehr über das Ausplatzen auch in Berghofen, Birkenbringhausen und Ernsthausen lesen Sie in der Frankenberger Zeitung von Montag, 29. Dezember.

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