Frankenberg

Koalition im Frankenberger Parlament schreibt an Konzept zur Stärkung der Stadtteile

- Frankenberg (r). Im Rahmen einer Klausurtagung erarbeitete die bürgerliche Koalition von CDU, Bürgerliste Frankenberg (BLF) und FDP ein Konzept zur Stärkung der Frankenberger Stadtteile.

In einem von Bürgermeister Christian Engelhardt vorgelegten Thesenpapier „Lebendige Dörfer 2020“ werden Vorschläge für ein langfristiges Entwicklungskonzept für die Stadtteile gemacht. „Damit möchte die bürgerliche Koalition, vergleichbar mit dem umfangreichen Rahmenkonzept zur Stadtsanierung, eine Debatte darüber fördern und führen, wie wir die Besonderheiten und Stärken unserer zwölf Stadtteile nutzen wollen, um langfristig eine attraktive Stadt zu sein“, erklärte Engelhardt. Große Herausforderung Ausgangspunkt für das Papier sind die Folgen des demografischen Wandels für die dörfliche Entwicklung. „Die Bevölkerungsstruktur in den Stadtteilen wird sich ändern, und gerade in den kleineren und ländlich strukturieren Stadtteilen bedeutet dies besondere Herausforderungen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Drothler. Das Zusammenleben der Generation sowie die oftmals eingeschränkte Mobilität älterer Menschen erfordere ein neues Denken in der Dorfentwicklung, darin waren sich die Koalitionäre einig. „Frankenberg lebt aus der engen Verzahnung zwischen dörflichem Leben in den Stadtteilen und zentralstädtischen Angeboten im Stadtkern“, betonte BLF-Vorsitzender Henning Scheele. Entwicklungsziele für den Stadtkern seien bereits im Konzept zur Stadtsanierung „Frankenberg 2020“ definiert worden. „Uns geht es zukünftig vor allem auch um die Dörfer, die ein wesentlicher Bestandteil der Stadt Frankenberg sind“, ergänzte FDP-Fraktionschefin Sabine Debus. Die Koalitionsfraktionen bekräftigten, dass der demografische Wandel eine der größten Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft besonders auch im Hinblick auf die dörfliche Entwicklung darstelle. „Stichworte hierzu sind: wir werden älter, wir werden weniger, wir werden bunter“, sagte Engelhardt. Neue Altersstruktur Er verwies auf Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden, wonach sich die Koordinaten der Altersstruktur in Hessen bis zum Jahr 2050 gravierend veränderten: - Die Zahl der Drei- bis Sechsjährigen nimmt um ein Drittel ab. - Die Zahl der Sechs- bis unter Zwanzigjährigen sinkt um fast ein Drittel. - Die Zahl der Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter sinkt um ein Viertel. - Die Zahl der Sechzigjährigen und der Älteren steigt um 44 Prozent. - Die Zahl der „Hochbetagten“ steigt sogar um 185 Prozent. Für Frankenberg gehen die Prognosen von einem Sinken der Bevölkerung bis zum Jahr 2020 von 1,4 Prozent aus. Es sei unrealistisch anzunehmen, dass sich diese Entwicklung kurzfristig beeinflussen ließe, erklärte Engelhardt. Die EU-Erweiterung hat zur Einwanderung einer Vielzahl von Arbeitern aus europäischen Ländern geführt. Auch innerhalb Deutschlands und Hessens gibt es Wanderbewegungen. Diese habe dazu geführt, dass die Gesellschaft „bunter“ geworden sei. „Das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Generationen muss zum Vorteil aller gestaltet werden“, sagte der Bürgermeister. Mit dem Rückgang der Bevölkerung und deren Überalterung bestehe die Gefahr, dass sich viele Dörfer zu Problemfällen entwickelten. „Die entscheidende Aufgabe sowohl der Kommunalpolitiker als auch aller in der Region engagierten Akteure ist, die Lebensqualität in den Dörfern zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ansonsten kappen wir unsere eigene Lebensader“, sagte Scheele. „Wir in Frankenberg sind ein ganz spezieller Menschenschlag, der traditionell die Dinge selbst in die Hand nimmt und sich nicht auf andere verlässt. Kreativität und Einsatzbereitschaft zeichnen uns aus“, ergänzte Drothler. Als prägende Elemente seien vor allem in den Dörfern Fleiß, Solidarität und Bodenständigkeit über die Jahrzehnte geblieben. „Die hohe Identifikation mit unserer Heimat führt dazu, dass die meisten Betriebe die Ausbildung ihres qualifizierten Nachwuchses selbst in die Hand nehmen“, sagte Debus. Gerade die Familienunternehmen nähmen ihre starke Vorbildfunktion ernst und engagierten sich auch über die betrieblichen Belange hinaus. Die Koalitionsfraktionen hätten bei ihrer Klausurtagung und in einer Arbeitsgruppe generelle Denk- und konkrete Lösungsansätze für die Entwicklung der Stadtteile ausarbeitet, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Weiter gehende inhaltliche Aussagen wurden zunächst nicht getroffen. In einer weiteren gemeinsamen Tagung sollen die Lösungsansätze nun unter Einbeziehung der Ortbeiratsmitglieder der Koalitionsfraktionen diskutiert werden. Abschließend sollen die Thesen und Lösungsansätze der Koalitionsfraktion mit Ortsbeiräten und allen Fraktionen diskutiert werden, um einen breiten Konsens über das wichtige Entwicklungskonzept für die Frankenberger Stadtteile zu erzielen, berichtet Engelhardt.

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