Bottendorf

Koch verhängt Baustopp am alten Kindergarten

- Burgwald-Bottendorf (rou). Der alte Kindergarten an der Dorfbrücke ist nicht nur prägend für den historischen Bottendorfer Ortskern, sondern sollte nach der Sanierung auch eine zentrale Rolle im Vereinsleben spielen. Doch die Zukunft des Hauses ist ungewisser denn je zuvor.

Der Abschluss der Sanierung des alten Kindergartens an der Dorfbrücke wird sich weiter hinauszögern, denn der Bürgermeister hat einen vorläufigen Baustopp verhängt. „Nach für nach wurde der Gemeindevorstand über Mehrkosten informiert“, sagte Bürgermeister Lothar Koch auf FZ-Anfrage. Er bezifferte die Mehrkosten inzwischen auf einen fünfstelligen Betrag. Der Gemeindevorstand sei nun nicht mehr bereit, Geld für die Auftragsvergabe freizugeben, ohne zu wissen, wie hoch der tatsächliche Gesamtaufwand sei, denn aus welchen Gründen auch immer wurde vor dem Sanierungsbeginn kein Gutachten über die Bausubstanz erstellt. Dies wird nun nachgeholt. Ein Gutachter wurde mit der Feststellung der bislang von Architekt Finger nicht ausgemachten Schäden und mit der Erarbeitung eines neuen und diesmal umfassenden Sanierungskonzeptes beauftragt. „Solange dies nicht vorliegt, wird am alten Kindergarten auch nicht weitergearbeitet“, stellte Bürgermeister Koch klar. Ob und wie die Arbeiten an dem prägenden Gebäude fortgesetzt werden, soll erst entschieden werden, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen, sagte er gestern. Einstimmig habe der Gemeindevorstand den Beschluss gefasst. Das „böse Erwachen“, wie es der Bürgermeister formulierte, ist im Zuge der Arbeiten an den zum Teil tragenden Holzbalken gekommen. Sie sind fast durchweg morsch. Von einem „desas-trösen Zustand“ sprach auch Ortsvorsteher Heinz Klem. Er berichtete in der Ortsbeiratssitzung am Montag von einem Treffen der beauftragten Zimmerleute mit dem Architekten und einem Statiker. Bei den Holzarbeiten habe sich kürzlich herausgestellt, dass die von außen sichtbaren Balken mit einer Kunststofffarbe gestrichen worden waren. Dies hatte zur Folge, dass in den vergangenen Jahrzehnten keine Durchlüftung des Holzes möglich gewesen sei. Die Eichenbalken sind von innen gefault. Stellenweise hätten sie nur noch eine Stärke von zwei oder drei Zentimetern. Vor allem im Dachgeschoss und im Keller sei der Faulungsprozess besonders weit fortgeschritten. „Dicke Balken sind so leicht wie Federn, das Holz zerbröselt zwischen den Fingern“, berichteten Ortsbeiratsmitglieder und stellten fest: „Eigentlich besteht für den alten Kindergarten kaum noch Hoffnung.“ Von einem erheblichen Sanierungsaufwand geht auch Lothar Koch aus. Eine der Giebelwände müsste de facto komplett erneuert werden. Doch wer soll die Kosten für die Arbeiten übernehmen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Montag bereits die Bottendorfer Ortsbeiratsmitglieder. „Wir müssen eigentlich alles tun, um das Haus zu erhalten“, sagte Klem. Doch fest stehe auch, dass die Vereine die sicherlich hohe Summe nicht alleine stemmen könnten. Selbst wenn die Finanzierungsfrage geklärt sei, müsste bei allen Emotionen die Existenz des Hauses infrage gestellt werden. Im Gremium machte sogar leise das Wort Abbruch die Runde.

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