Vortrag über Helius Eobanus Hessus

Der König der Poeten

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Moderator Prof. Dr. Gerhard Aumüller, der eine Lebensgeschichte von Euricius Cordus geschrieben hat, hieß den Mutianus-Forscher Prof. Dr. Eckhard Bernstein und den Hessus-Biografen Karl-Heinz Hartmann vom Frankenberger Geschichtsverein (v.l.) willkommen.

Marburg/Frankenberg - Ein Dichter aus dem Frankenberger Land war das Thema eines Vortrag des Marburger Geschichtsvereins: Dr. Eckhard Bernstein aus Freiburg referierte über Helius Eobanus Hessus.

Der aus Halgehausen stammende Humanist und „König der Poeten“ Helius Eobanus Hessus (1488-1540), der aus der Lateinschule in Frankenberg hervorging, hatte einen großen Freund und Förderer: den Gelehrten Conradius Mutianus Rufus (1470-1526) aus Homberg/Efze. Beide waren Zeitgenossen Luthers, und doch im Verhältnis zu ihm sehr ungleiche Freunde. Über die Beziehungen der beiden Gelehrten sprach in Prof. Dr. Eckhard Bernstein aus Freiburg auf Einladung des Marburger Geschichtsvereins.

Unter den Gästen waren auch Mitglieder der Geschichtsvereine aus Homberg/Efze und Frankenberg, die im Anschluss an den Vortrag im Gespräch mit dem Freiburger Forscher - der als Professor für Germanistik am College of the Holy Cross in Worcester in den USA mehr als 600 Briefe von und an Mutianus ausgewertet hat - noch weitere Informationen austauschen konnten.

Auf einem Büchertisch bot der Frankenberger Zweigverein für hessische Geschichte und Landeskunde das kürzlich erschienene Buch des Mitgliedes Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa über den „Dichterkönig“ Helius Eobanus Hessus an. Dieses Buch verweist ebenfalls auf die enge Verbindung zwischen Mutianus und Hessus. Der aus Homberg/Efze stammende Conrad Muth - oder Conradus Mutianus Rufus - (1470-1526) wurde nach Studien in Erfurt und Italien Kanoniker in Gotha und bald zum Mittelpunkt eines Humanistenkreises. Diesem gehörten neben Georg Spalatin, Ulrich von Hutten und Crotus Rubianus - dem Verfasser der Dunkelmännerbriefe und dem Epigrammatiker Euricius Cordus - auch Eoban Koch oder Helius Eobanus Hessus (1488-1540) aus dem Frankenberger Land an. „Früh erkannte Mutian das dichterische Ausnahmetalent des 18-Jährigen aus Halgehausen, er lobte ihn überschwänglich und hob ihrer beider gemeinsame Herkunft hervor“, berichtete der Professor.

Geldnot und schlechte Arbeitsbedingungen - oder „magere Weiden“ - wie es in ihren Briefen heißt, beklagten beide Humanisten. Mutianus versuchte dem mittellosen Poetenkönig Hessus zu helfen und eine dauerhafte Stelle an der Universität zu vermitteln. Von einem Medizinstudium riet er ihm ab: „Zum Dichten bist du geboren“, schrieb er Hessus. „Von Dichtung konnte damals überhaupt niemand leben“, berichtete Bernstein und schilderte das große schriftstellerische Werk des Frankenberger Lateinschülers Hessus mit den 1514 erschienenen „Heroiden“ und einer Übersetzung von Homers „Ilias“. Hessus hielt seinem Förderer Mutianus trotz dessen distanzierter Haltung zum Luthertum die Treue und setzte ihm 1526 mit einer gedichteten Totenklage ein Denkmal.

Nach einer Professur in Erfurt war Hessus von 1536 bis zu seinem Tod 1540 Professor für Geschichte in Marburg. „Seine Marburger Zeit war ungeheuer produktiv“, sagt Bernstein.(r)

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