Frankenau: Selbstbehauptungskurs für Jungen an Kellerwaldschule

Körpersprache sagt mehr als Worte

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- Frankenau (apa). „Eeeey du, gib mir mal‘n Euro!“ – Hakan Aslan geht mit herausgestreckter Brust herausfordernd auf einen Viertklässler zu. „Nö“, sagt der Junge, „ich hab‘ keinen Euro.“ Der Trainer schüttelt den Kopf: „Hm, nicht ganz.“ Er blickt in die Runde: „Was hat er falsch gemacht?“, fragt er die anderen Schüler.

Die Viertklässler der Kellerwaldschule überlegen kurz. „Er soll nicht ‚Nö‘ sagen, sondern ‚Nein‘“, ruft einer. „Ja! Was noch?“, fragt Hakan Aslan. Die Jungen kommen nicht gleich drauf, also hilft er: „Er darf nicht sagen, dass er keinen Euro hat, sondern muss klarmachen, dass er mir keinen gibt!“ Die Viertklässler haben in den vergangenen Tagen bei dem Korbacher Fachtrainer für Selbstverteidigung und Selbstbehauptung sieben Kurseinheiten durchlaufen. Zu Beginn dachten die Jungs noch, sie würden Kampfsporttechniken erlernen, berichtet Schulleiterin Susanne Weber. Zwar gehörten zum Kurs auch einige Griffe, etwa um sich aus dem „Schwitzkasten“ zu befreien. Doch eigentlich sollen die Kinder gar nicht erst in eine solche Situation geraten, sondern sie vermeiden können.

Hakan Aslan legte in diesem Kurs eine Grundlage: Die Jungs lernten, auf ihre Körpersprache zu achten und diese bewusst einzusetzen, sich in Konflikten deutlich zu äußern. Sie übten, Nein zu sagen, klare Signale zu senden und zu agieren statt zu reagieren, erläutert Aslan. Die Kinder sollen ein Gespür dafür entwickeln, wie sie sich klug verhalten, sie sollen auf ihre Wortwahl achten und ihre eigene Stärke spüren – diese strahlen sie dann viel deutlicher durch ihre Körpersprache aus. „Manchmal reicht ein gesprochenes Nein nicht“, begründet Aslan.

Dabei ist es wichtig, dass ein Mann den Kindern diese Inhalte näherbringt, sagt Andreas Greif vom Fachdienst Jugend des Landkreises, mit dem Hakan Aslan kooperiert. „Es geht um Respekt und Wertschätzung“, begründet Greif. Männliche Vorbilder sind wichtig für Jungen – und sie fehlen einfach an vielen Kindergärten und Grundschulen. Zudem ließen sich die Jungen von einem externen Fachmann viel mehr beeindrucken, fügt Susanne Weber hinzu.

Zu Aslans Training gehörten auch ganz konkrete Strategien, die auch Grundschüler schon anwenden können. Nun wissen sie: Wenn sie etwas stört oder nervt, bitten sie den Betreffenden erst einmal höflich darum, aufzuhören. Wenn das nicht fruchtet, folgt der Befehlston. Und wenn das auch nicht funktioniert, schaffen sie Öffentlichkeit – so, dass auch andere mitbekommen, dass man geärgert, genervt oder sogar angegriffen wird. Auch für den Umgang mit Fremden, die sie zum Beispiel aus einem Auto heraus ansprechen, gab Hakan Aslan den Jungs praktische Tipps zum richtigen Verhalten: Ignorieren, erst recht nicht anlächeln und möglicherweise sogar die Straßenseite wechseln, wenn kein Platz zum Ausweichen ist.

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