Frankenberg

Kohl als „parteiübergreifendes Gericht“

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Grünkohl-Essen

- Frankenberg (sg). Deftig tafeln für einen guten Zweck: Der Einladung des Lions-Clubs zum Grünkohl-Essen in der historischen Schirn folgten etwa 380 Gäste.

Helle Farben und eine dezente Beleuchtung in der renovierten Schirn, auf den Tischen Läufer in den Lions-Farben gelb und blau, Tannengrün als Schmuck an den 500 Jahre alten Fachwerkbalken: In diesem festlich-rustikalen Ambiente der Halle im historischen Rathaus genossen die von den Mitgliedern geladenen Gäste am Samstag Abend das achte Grünkohlessen des Clubs. Der Erlös des Abends kommt wieder sozialen, karitativen und kulturellen Projekten im Frankenberger Land zu Gute.Im Februar 2004 habe es das erste Essen gegeben, sagte Lions-Präsident Wolfram Kalwe. Er erinnerte an die Skepsis mancher, dass sich dieser norddeutsche Brauch so tief im Süden durchsetzen würde. Doch inzwischen sei die Tradition in Frankenberg fest etabliert.

Kalwe ging auf die Projekte des Clubs zur Förderung sozial Schwacher ein, gerade Kinder und Jugendliche stünden dabei im Mittelpunkt. So hat der Club Kindergärten mit Koffern voller Sachbücher ausgestattet, er fördert das Lesen lernen in Grundschulen, lädt Kinder in die „Teddy-Klinik“ ein oder betreut 20 Klassen beim Projekt „Klasse 2000“. Im Sommer sei erstmals eine Kinderakademie mit Studenten und Künstlern geplant. In seiner Festansprache widmete sich Landrat Dr. Reinhard Kubat wie vorgegeben dem grünen Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, das mit seinen Nährstoffen gut zur winterlichen Nahrungsergänzung tauge. Bei den Griechen und Römern sei der Grünkohl eine Delikatesse gewesen, auch die Nordeuropäer hätten ihn früh zu schätzen gelernt. In der Bronzezeit seinen Samen von Kreuzblütlern gesammelt worden, um Öl aus ihnen zu pressen. Wichtig für den „Wohlgeschmack“ sei, ihn erst nach dem ersten Bodenfrost zu ernten, weil die Kälte Kohlenhydrate in Zucker umwandele. Auch als Heilpflanze sei der Kohl verwandt worden. Die Griechen hätten mit ihm die Folgen von Trinkgelagen lindern wollen, die Ostfriesen hätten geglaubt, mit gestohlenem Kohl lasse sich ein lahmendes Schwein heilen. Erst Hildegard von Bingen habe ihn wegen seiner Wirkung auf die Verdauung als Arznei gestrichen. Mit Alkohol genossen, stelle sich jedoch ein „idealer Balancezustand“ ein, urteilte der Landrat.Die jahrhundertealten Grünkohlessen im Norden seien oft wie in Frankenberg mit karitativen Zwecken verbunden gewesen, betonte Kubat. Er begrüßte, das sich diejenigen, denen es gut gehe, in der Verantwortung für Schwächere fühlten. Dafür stünden gerade die Serviceclubs wie die Lions. Soziale Netzwerke gehörten gerade auf dem Land zur Existenzgrundlage. Die Zukunftsfähigkeit des Kreises hänge auch vom Zusammenhalt und dem ehrenamtlichen Engagement für die Heimat ab, „Wir brauchen eine Kultur des Miteinanders“, betonte Dr. Kubat. „Zum Glück gibt es Sie“, rief er den Lions zu, die Mitglieder investierten Zeit und Geld, sie übernähmen Verantwortung getreu ihrem Motto „Wir dienen“. Die Clubs stünden für eine freie Gesellschaft und für die Nächstenliebe. „Lions ist Tradition mit Zukunft und Herz“, sagte er und dankte allen für ihr Engagement: „Sie tragen zur Entwicklung unseres schönen Zuhauses bei.“

Mehr lesen Sie in der Frankenberger Zeitung vom Montag, 7. Februar 2011.

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