Battenfelder Firma unterstützt ungelernte Angestellte

Von der Kollegin zur Vorgesetzten

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Marina Denik (Mitte) hat als vor 15 Jahren als ungelernte Monteurin bei KBM begonnen – heute übernimmt sie Führungsaufgaben. Unternehmensberaterin Anne Alsfasser verrät Tipps und Tricks im Umgang mit den früheren Kollegen und jetzigen Untergebenen. Geschäftsführer Horst Briel will möglichst vielen Mitarbeitern die Chance zur Weiterbildung geben.Foto: Mark Adel

Allendorf-Battenfeld - Als Marina Denik 1999 bei KBM anfing, montierte sie Kleinteile aus Kunststoff. Heute führt sie eine ganze Schicht, hat 20 Arbeiterinnen unter sich, gibt Arbeitsanweisungen, spricht mit Kunden - obwohl sie ungelernt ist.

Marina Denik hat keine Abendschule besucht, kein Studium und keine Facharbeiter-Ausbildung beendet - aber ein Führungsseminar bei Anne Alsfasser absolviert. Die Unternehmensberaterin hat die vier Geschäftsführer von KBM ermutigt, auch ungelernten Mitarbeitern Aufstiegschancen zu geben. Eine davon ist Marina Denik.

Horst Briel kennt diesen Aufstieg: Der Geschäftsführer hat vor 40 Jahren eine Ausbildung bei der Firma Johannsen begonnen und dort bis zur Insolvenz Ende der 90er Jahre gearbeitet. Er hatte sich stetig weiter qualifiziert. Mit drei Freunden und Kollegen gründete er damals KBM. „Wir wissen, wie es an der Werkbank aussieht.“

„Wir haben gute Leute in unseren eigenen Reihen, zum Teil ohne Ausbildung“, sagt er. Ihnen will er eine Chance geben - zum einen, weil nach seiner Überzeugung Führungsqualitäten nichts mit einem Studienabschluss zu tun hat. Außerdem ist es schwierig, Fachkräfte von außerhalb in die Region zu locken, wie viele Firmen ist auch KBM auf die Weiterqualifikation der eigenen Mitarbeiter angewiesen. „Es kostet Zeit, ist manchmal stressig, aber es lohnt sich“, sagt Horst Briel.

Das größte Problem für Marina Denik war, dass sie auf der einen Seite zum Team gehört, viele Jahre mit den Kollegen zusammen gearbeitet hat - und denen nun Anweisungen gibt. Mit vielen ist sie sogar verwandt. Bis zu 20 Mitarbeiter, fast nur Frauen, hat sie pro Schicht unter sich.

Montiert werden Kunststoffteile für die optische Industrie: „95 Prozent sind ungelernt.“ Weil viele Frauen unter den Angestellten sind, wird auf flexible Arbeitszeiten Wert gelegt - wenn beispielsweise Kinder zur Schule gebracht oder abgeholt werden müssen. Im Gegenzug sei die Arbeitsbereitschaft hoch, wenn es beispielsweise darum geht, am Samstag eine Sonderschicht einzulegen, sagt Horst Briel.

Die Montage ist ein Zweig des Unternehmens, Horst Briel beziffert den Anteil am Umsatz auf etwa ein Drittel. Dort sind auch die meisten Mitarbeiter beschäftigt - die meisten über eine KBM-eigene Zeitarbeitsfirma. „Mit unbefristeten Verträgen“, betont Briel. Die Leiharbeiter werden von Unternehmen aus der Region angefordert. Werden sie dort nicht benötigt, arbeiten sie in der KBM-Montage. Gezahlt werde Tariflohn, acht Angestellte seien im vergangenen Jahr von Betrieben, an die sie ausgeliehen waren, übernommen worden.

Allerdings braucht KBM auch Facharbeiter für die Elektro-sparte und die Heizungstechnik. Das Handwerk habe in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig ausgebildet: „Die Leute fehlen uns“, sagt Briel. Auch das sei ein Grund, immer wieder eigene Mitarbeiter zu fördern.

Viele der Angestellten sind Ausländer, deshalb gibt es auch Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Sogar Tanzkurse werden angeboten. „Die Anregungen kamen von den Mitarbeitern“, sagt Horst Briel, der durchaus die Probleme kennt, wenn die Kulturen aus Kasachstan, Polen und Thailand aufeinander treffen: „Aber Allendorfer, Battenfelder und Rennertehäuser sind mindestens genauso schwierig.“ Und so sind die Weiterbildungen zugleich eine Integration ausländischer Neubürger in die Region.

Die Kurse im Führen der Mitarbeiter werden ebenfalls weiterhin angeboten. „Fachlich sind die alle fit“, sagt Anne Alsfasser. „Aber der Rollenwechsel vom Kollegen zur Führungskraft ist nicht einfach.“

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