Frankenberg

Komödie Frankenberg beweist mit Dürrenmatt-Klassiker großes Können - Video

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- Frankenberg (mba). Es war eine Gratwanderung: ein erbarmungslos sozialkritisches Theaterstück, das der Gesellschaft zynisch und bisweilen boshaft-komisch den Spiegel vorhält – aufgeführt in der Liebfrauenkirche vor dem Altar. Sie ist dem Ensemble der "Komödie Frankenberg" auf beeindruckende Weise gelungen.

In dem Stück "Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt kehrt die Milliardärin Claire Zachanassian (gespielt von Gabi Heinz) in ihre verarmte Heimatstadt zurück. Ihr Ansinnen: Rache, verkleidet als Forderung nach Gerechtigkeit. Sie macht den verarmten Stadtbewohnern ein ebenso verlockendes, wie verwerfliches Angebot: Sie setzt ein astronomisch hohes Kopfgeld auf ihren früher Liebhaber aus, der sie einst geschwängert und dann verraten hatte. Der gekaufte Tod des Mitmenschen wird so für die Stadt zur Aussicht auf Erlösung aus dem Elend. Die anfangs noch hochgehaltene Moral der Menschen versinkt unter dem Gewicht des Geldes recht schnell im Morast. Was für ein köstliches Schauspiel menschlichen Makels: Eine schäbige und heruntergekommene Gesellschaft von Kleinstädtern, angeführt von einem rückgratlosem Bürgermeister. Ein armseliger Pöbel, der sich – nach der Pfeife des schnöden Mammons tanzend – zum Erfüllungsgehilfen der Rachegelüste einer alten, verbitterten, aber steinreichen und machtbewussten Vettel mit roten Haaren macht. Es war famos und herrlich anzuschauen, von der ersten bis zur letzten Szene äußerst unterhaltsam – ein großartiges Schauspiel moralischen Bankrotts. Das Ensemble der „Komödie Frankenberg“ hat Mut bewiesen, Dürrenmatts gesellschaftskritische Tragikomödie "Besuch der alten Dame" in einer Kirche vor einem überbauten Altar aufzuführen. Und sie haben unter der Regie von Peter Höhl großes Können bewiesen, in der ganzen Art, wie sie dieses Theaterstück bei seiner Premiere präsentiert haben. Die Darsteller überzeugten bis in die kleinen Nebenrollen hinein und auch denen, die hinter den Kulissen wirkten, gebührt große Anerkennung. Kostüme, Ausstattung und Bühnenbild waren für die Verhältnisse der Gruppe extrem aufwendig und anspruchsvoll. Höhls Inszenierung wechselte gekonnt zwischen Drama, Komödie und grotesker Parodie. Es gab viel Bewegung auf der Bühne, Geräuschkulisse, Chorgesang, Blasmusik. Die Massenszenen waren präzise arrangiert und wurden souverän umgesetzt.Peter Höhls Truppe hat die Herausforderung des Stückes und seiner Auffühurng in der Kirche grandios gemeistert: Für die packende Inszenierung, die mit Bachs Toccata in d-Moll auf der Kirchenorgel fulminant endete, gab es großen Beifall.

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Mehr lesen Sie in der Frankenberger Zeitung von Montag, 19. September.

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