Kaphingst übernimmt Pro-Vita

Kompetenzen erhalten und ausbauen

+

Frankenberg - Einiges bleibt, anderes ändert sich im Sanitätshaus Pro-Vita in der Jahnstraße: Simone Becker gibt ihr Unternehmen nach zehn Jahren ab, es wird von der überregional tätigenKaphingst-Gruppe weitergeführt und soll wachsen - auch mit zwei neuen Mitarbeitern.

Sichtbar schwer fällt Simone Becker ihr Schritt - und zugleich wirkt sie befreit. Die Inhaberin des Frankenberger Sanitätshauses Pro-Vita gibt ihr Unternehmen ab, aus privaten Gründen. Ihr Ehemann ist beruflich viel unterwegs, oft im Ausland, monatelang. „Ich möchte nichts Stationäres mehr haben“, sagt die Geschäftsfrau. Sie hat sich für ihr Privatleben entschieden. Doch sie wäre nicht Unternehmerin, wenn sie nicht bereits ein neues Projekt im Aufbau hätte - im Internet: „Das kann ich weltweit oder auch von zu Hause aus betreuen“, begründet sie den Schritt. Mit den Themen Sanitätsbedarf, Gesundheit und Rehabilitation hat die Neugründung nichts zu tun, denn sie möchte keine Konkurrenz zu ihrem alten Haus aufbauen. Das möchte die Frankenbergerin in guten Händen wissen.

Deshalb hat sie das Geschäft in der Jahnstraße an die Kaphingst-Gruppe verkauft. Auch wenn es von außen noch nicht sichtbar ist: Bereits seit dem 1. Januar ist Becker nur noch Beschäftigte in ihrem eigenen Unternehmen. „Ich bleibe noch drei Monate, um die Einarbeitung zu übernehmen“, sagt sie mit etwas Wehmut in der Stimme. Der Laden sei ihr „Baby“ - und gerade deshalb ist ihr wichtig, dass das Haus ganz in ihrem Sinne weitergeführt wird. „Bei Kaphingst stimmt die Philosophie mit meiner eigenen überein“, erklärt sie und zählt auf: Kundenorientierung, schnelle Lieferung von Produkten, Weiterbildungen für die Mitarbeiter. Letztere werden sogar mehr: „Wir schaffen zwei neue Vollzeitstellen“, sagt der neue Inhaber, Kaphingst-Geschäftsführer Boris Pichler. Die bekannten Gesichter bleiben den Kunden ebenso erhalten.

Bewährtes ergänzen

Doch Bekanntes soll um Neues ergänzt werden. Die Positionierung etwa als Lymph- und Venen-Kompetenzzentrum, die Becker geschaffen hat, soll auf jeden Fall bestehen bleiben: „Das ist es, was Pro-Vita ausmacht und wofür das Haus bis nach Marburg auch bekannt ist“, sagt Pichler. Doch ihm reicht das nicht: „Wir möchten ein Vollsortiment anbieten.“ So ist schon innerhalb der nächsten Wochen eine Erweiterung des Sortiments um sogenannte Pflegehilfsmittel vorgesehen. Mittelfristig soll zudem mehr Platz geschaffen werden für eine ausgiebige Beratung.

Der Grund ist simpel: Lager und Büro können nach der Übernahme auf ein Minimum reduziert werden, beides findet sich schließlich in Lahntal. Von dort soll Frankenberg künftig zweimal wöchentlich beliefert werden.

Der frei werdende Platz soll umgestaltet werden, das ganze Haus noch einladener. Denn auch Fitness- und Vorsorgeprodukte sollen in einem gewissen Rahmen in das Programm aufgenommen werden. Das Ziel: Das Sanitätshaus in einen Gesundheitsmarkt zu verwandeln, der auch Menschen ohne ärztliches Rezept anspricht. „Natürlich wollen wir uns so auch gegenüber dem Mitbewerber positionieren“, sagt Boris Pichler durchaus selbstbewusst.

Frankenberg, erklärt er, sei für die Gruppe schon länger interessant gewesen. Von Lahntal und Marburg aus deckt Kaphingst Mittelhessen in südlicher Richtung mit Filialen ab. Pro-Vita, das schon bald ebenfalls Kaphingst heißt, vollende das Filialnetz in Mittelhessen und sei zugleich der erste Schritt nach Norden, wo erst im Raum Kassel wieder zwei Filialen existieren. Die Entscheidung, in Frankenberg ein „gesundes, gut geführtes Haus“ zu übernehmen, nennt der Unternehmer „logisch und konsequent“.

Zugleich zeigt er sich überzeugt, dass die Übernahme für alle Beteiligten ein Gewinn ist - für die Unternehmensgruppe, für Simone Becker und die Frankenberger Kunden. „Die Spezialisierung in der Branche hat extrem zugenommen“, erklärt er - gerade kleine, inhabergeführte Sanitätshäuserhätten es daher trotz des wachsendenMarktes schwer. „Es herrscht eine hohe Arbeitsteilung“, der möchte Pichler auch durch die Aufstockung der Mitarbeiterzahl und durch deren Spezialisierung begegnen. Hinzu kämen weitere Vorteile für den Kunden, etwa durch die Zusammenarbeit mit dem Marburger Klinikum: „Wenn sie etwa im Krankenhaus bestimmte Strümpfe bekommen haben, können die Kolleginnen hier bei ihrem nächsten Besuch im Computer nachschauen, was sie für ein Produkt benötigen“, erläutert er.

Stolz und voller Vorfreude

Becker reagiert erfreut auf diese Pläne für ihr Haus: „Da bin ich stolz und ein wenig neidisch“, sagt sie und ergänzt: „Ich freue mich schon darauf, hier künftig vorbeizufahren und sagen zu können ‚Das war mal meins’“ - harmonischer kann eine Übernahme wohl kaum sein.

Kommentare