Gelungener Auftakt für den künstlerischen Leiter

Konzertsaison in der Hainaer Klosterkirche eröffnet

Der neue künstlerische Leiter Jens Amend an der Orgel umringt von Peter Sanders, Gottfried Köll (Oboe) sowie Johannes Oswald und Ulrich Rebmann (Trompete)Foto: Armin Hennig

Haina (Kloster) - Mit festlichen Klängen für Trompeten, Oboen und Orgel hat die Konzertsaison im Kloster Haina und zugleich eine neue künstlerische Ära begonnen: mit den ersten Takten von Antonio Vivaldis Concerte C-Dur für zwei Trompeten und Orgel übernahm Jens Amend auch hörbar die musikalische Leitung.

Im Mittelsatz, dem harmonisch spannungsvollen Grave, hatte er auch seinen ersten Solomoment. Beim feierlichen Allegro begleitete Jens Amend mit warmen Orgelwellen das Zusammenspiel der beiden Trompeter Ulrich Rebmann und Johannes Osswald. Im Finale (Allegro) nahmen Bläser und Orgel eine gleichberechtigte Rolle ein, mit etlichen harmonischen Kühnheiten für den Organisten.

„Musik ist der Atem Gottes“

Heitere Jagdmusik bildete das musikalische Kontrastprogramm im ersten Satz von Tomaso Albinonis Concerto F-Dur für zwei Oboen und Orgel. Mit ihren silbrigquirligen Oboenläufen unterstrichen Gottfried Köll und Peter Sanders das Gleichnis von Schirmherr Propst Helmut Wöllenstein, der in seinem Grußwort Musik als gestalteten Atem Gottes bezeichnete.

Zwitschernde Vögelchen

Ein herrliches Zusammenspiel von Schöpfung und Kunst konnten die Zuhörer in der prall gefüllten Klosterkirche bei Georg Philipp Telemanns vielschichtigem Concerto D-Dur für Trompete zwei Oboen und Orgel erleben. Denn zur festlichen Intrade für Trompete und Orgel gesellten sich zwei Stimmen, die Telemann nicht komponiert hatte, die sich aber angenehm ins musikalische Gesamtbild einfügte: Zwei Vögel im Gewölbe leisteten ihren harmonische Beitrag und gingen auch beim folgenden Oboentanz das höhere Tempo mit, schwiegen aber still bei der Aria, einem pastoralen Idyll für Orgel und Oboe, das ruhig verklang.

Mit einem Unisonolauf eröffneten Ulrich Rebmann und Jens Amend den Finalsatz, ein Allegro in dessen Verlauf sich die Trompete und die Oboen das Thema gegenseitig zuspielten. Aufgrund der inspirierten Interpretation und der besonderen Gunst der Stunde geriet Telemanns Concerto zum unvergesslichen Erlebnis.

Johannes Osswald spielte einen nicht minder überzeugenden Solopart in Tomaso Albinonis Concerto C-Dur für Trompete zwei Oboen und Orgel. Der Trompeter aus dem Städtischen Orchester Gießen, mit dem Jens Amend auch Händels Orgelkonzerte eingespielt hat, sprang kurzfristig für den verhinderten Christian Tolksdorf ein und glänzte auch bei Heinrich Ignatz Franz Bibers Sonata VII à cinque in C-Dur. Die Komposition aus dem musikalischen Grenzgebiet zur Renaissance erschloss sich nicht so auf Anhieb wie die Werke der Barockmeister, entwickelte mit ihren fließenden Übergängen eine nachhaltige Sogwirkung.

Der Orgel fehlt die Tiefe

Der abendliche Orchesterdienst der drei Musiker aus Gießen stand einer Zugabe im Wege, ursprünglich war ein rasches Wiederhören mit Biber als Zugabe geplant, so Jens Amend, der vor Beginn des Konzerts seine vordringlichen und langfristigen Pläne vorgestellt hatte. Der erste Schwerpunkt liegt auf der Verbreiterung der finanziellen Basis, die Umgestaltung der Orgel ist eher für die weitere Zukunft vorgesehen. Die Notwendigkeit für die eine oder andere Änderung war auch beim gelungenen Konzert unüberhörbar: zu wenig Tiefe beim Grave (Vivaldi), allzu dominante höhere Lagen (Albinoni), kleine Trübungen in einem sonst überaus gelungenen Klangbild. Bleibt zu hoffen, dass Jens Amend seine Agenda zügig umsetzten kann.

Von Armin Hennig

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