Kreis-Heimatmuseum: Wertvolle Figuren restauriert

Frankenberg. Nicht nur zur Weihnachtszeit sind hier die himmlischen Heerscharen hoch geschätzt – im Frankenberger Kreis-Heimatmuseum genießen Engel, kleine und große, aus Stein und aus Holz, besonderen Schutz.

Seit wenigen Wochen schweben sogar die restaurierten Musikantenengel aus der 1970 abgerissenen Totenkirche wieder da, wo sie „vom Himmel hoch“ hingehören: über den Köpfen der Besucher in der Mauritiuskapelle.

Sie haben eine besonders bewegte Geschichte: Zusammen mit der Figur eines Harfe spielenden Königs David kamen sie 1812 auf Pferdewagen mit der Orgel von Kloster Grafschaft nach Frankenberg. Zwei Trompete blasende Engel zierten später mit David die Empore der Liebfrauenkirche, vier andere den Altarraum der Totenkirche. Als diese Kapelle der Altstadtsanierung zum Opfer fiel, stellte man die Barock-Kunstwerke erst einmal ungeschützt im Pfarrhof ab.

„Sie dienten Jugendlichen als Zielscheibe und Spielgerät, bis der Juwelier und Kunstkenner Karl Schwaner sie entdeckte und gegen eine Spende erwarb“, berichtet Museumsleiter Heiner Wittekindt. Zwei dieser Engel wurden dem Museum überlassen, die beiden anderen verblieben bis voriges Jahr im Haus bei Frau Schwaner, bevor auch sie die Gruppe im Museum wieder vervollständigten.

Deutlich waren an den bemalten Skulpturen die Spuren von Abriss und Zerstörung sichtbar geblieben. Der Wolfhager Restaurator Winfried Schurm sorgte zunächst für die Bestandserhaltung des Harfe-Königs und der Trompetenengel, dann erforschte er letzte Farbreste und restaurierte die beiden weiß bemalten, aus dem Kirchenabriss geretteten Engel. Dies war durch viele private Spenden und den Förderverein Kreis-Heimatmuseum möglich. Lange wurden sie an wechselnden Plätzen im Museum gezeigt, doch seit ein paar Wochen stehen sie nun auf hoch angebrachten Podesten, sodass die Besucher sie aus gleicher Perspektive wie früher im Kirchenraum betrachten können.

Für so manchen anderen Engel ist das Frankenberger Museum im Kloster zum Asyl geworden: Im hinteren Seitenraum der Liebfrauenkirche entdeckte Denkmalpfleger Ludwig Bickell die bei der Entfernung der Empore 1864 abgesägten und aufgestapelten Balkenköpfe von Philipp Soldan und erkannte ihren Wert. Landrat Ulrich Stapenhorst brachte die Schnitzwerke 1952 im neu gegründeten Heimatmuseum in Sicherheit, als besonderes Schmuckstück unter ihnen ein kleiner Puttenengel mit nacktem Hinterteil und dem Schriftband „Philippus Soldan Anno 1529“.

Ein ausgemusterter und abgestellter Barock-Taufstein aus der Liebfrauenkirche fand 1985 ebenfalls im Heimatmuseum seinen würdigen Platz. Zwei betende Bürger und geflügelte Engel schauen nun den Betrachter unter der Taufschale an. Und wer achtsam durchs Museum geht, wird noch manch anderes Engelsgesicht schauen, das aus einem Haus- oder Kirchenabriss gerettet wurde. Ein aufbewahrter Sandsteinengel vom Portal der verschwundenen Totenkirche lächelt sogar – mit gutem Grund.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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