Frankenberg

Kreisbauernverband zieht positive Erntebilanz und kritisiert Getreidepreise

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- Die Preise für Weizen und Gerste haben sich in den vergangenen 18 Monaten mehr als halbiert, während die Kosten für Dünger im Vergleich zum vergangenen Jahr auf das Doppelte angestiegen sind.

„Bis Mittwoch oder Donnerstag ist die Ernte abgeschlossen“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Matthias Eckel. Qualität und Menge seien „in Ordnung“ und entsprächen in etwa den Ergebnissen im vergangenen Jahr. „Eigentlich war es eine gute Ernte“, zieht Eckel Bilanz, „allerdings sind die Qualitäten durchwachsen. Nicht jeder Weizen hat eine ausreichende Qualität zum Backen.“ Das Getreide, das nicht gut genug für Brot und Brötchen ist, wird als Viehfutter verwendet. „Dagegen hatte der Roggen in diesem Jahr durchweg sehr gute Qualitäten“, freut sich Eckel. Noch im Frühjahr hatten die Landwirte schlechte Ergebnisse erwartet, vor allem beim Raps. Letztendlich entwickelte er sich jedoch zu einem der besten in den vergangenen Jahren. Der Frost hatte den Pflanzen zunächst stark zugesetzt, erläutert Eckel. Dann haben sie sich durch den warmen und freundlichen April mit ausreichend Feuchtigkeit im Boden aber noch generieren können. Auch was Schädlinge betrifft, gibt es keinen Grund zu großen Klagen, sagt Eckel: „Es war zwar ein sogenanntes Blattlausjahr, aber nichts Existenzbedrohendes.“ Derzeit steht nur noch Weizen auf den Feldern – er wird zuletzt gedroschen. Der Weizen macht rund 40 Prozent der Ackerflächen im Frankenberger Land aus, 16 Prozent entfallen auf Raps, bis zu 18 Prozent auf Futterpflanzen. Dabei handelt es sich größtenteils um Mais. Er wird erst im Herbst gehäckselt, Pflanzen und Kolben werden gleichzeitig zerkleinert. Der Rest des angebauten Getreides teilt sich auf in Wintergerste, Hafer, Sommergerste und Roggen. Während Mais ausschließlich für die Eigennutzung als Futter angebaut wird, wird der gesamte erwirtschaftete Raps verkauft. Vom Getreide bleiben im Durchschnitt 50 bis 60 Prozent als Futter in den Betrieben. Doch auch, wenn die Ernte besser verlaufen ist, als die Landwirte noch im Frühjahr zu hoffen wagten, gibt es wenig Grund zur Freude: „Die Preise sind auf einem historischen Tiefstand“, klagt Matthias Eckel. Für 100 Kilo (= Doppelzentner oder Dezitonne) Wintergerste erhalten die Bauern gerade einmal 8 Euro. Vor eineinhalb Jahren waren es noch 20 Euro. Für Weizen liegt der Marktpreis bei 10 Euro, vor 18 Monaten zahlten Kunden noch 25 Euro. „Roggen ist quasi unverkäuflich“, sagt Eckel, „den will trotz der guten Qualität niemand haben. Es ist im Moment einfach genug von allem da.“Das Hauptproblem sei, dass das Getreide extrem teuer erzeugt wurde. Der Stickstoffdünger kostete die Landwirte 38 Euro pro Doppelzentner. „Der Dünger war doppelt so teuer wie vorher, aber die Preise sind nur halb so gut“, zeigt Eckel die Gegensätze auf. Weil bei Preissteigerungen immer mit den Rohstoffpreisen argumentiert wird, müssten nach Eckels Ansicht Brötchen nun eigentlich günstiger werden. „Und Braugerste ist im Moment spottbillig. Ich erwarte jetzt auch flächendeckend billigeres Bier“, sagt Eckel. Er meine das schon ernst, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands: „Wenn das bei Preissteigerungen funktioniert, muss das Argument auch in die andere Richtung wirken.“ (apa)

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