Resolution für Bahnverkehr

Kreisgrenze ist auch eine Preisgrenze

Die Schienen vom Frankenberger Bahnhof führen nach Marburg und ins Rhein-Main-Gebiet. Damit diesen Verkehrsweg auch genügend Pendler nutzen, wollen die Stadtverodneten an der Preisschraube drehen.Archivfoto: Tim Heinrichs-Noll

Frankenberg - Eine Hoffnung für die Zeit nach dem Umbau des Bahnhofs ist, dass mehr Pendler den Zug gen Süden nutzen. Doch die Verbundsgrenze zwischen Nordhessischem und Rhein-Main-Verkehrsverbund macht das teuer. Dagegen will sich das Parlament heute wehren.

Es ist die Idealvorstellung, wie der pendelnde Frankenberger künftig seinen umgestalteten Bahnhof nutzt: Er reist mit Bus oder dem eigenen Auto an, besteigt den Zug und fährt nach Marburg oder in das Rhein-Main-Gebiet. Es gibt nur ein Problem - ein teures, das auch der ebenfalls teure Umbau des Bahnhofs und des Vorplatzes nicht beheben würde: Zwischen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf liegt mehr als eine Kreisgrenze. Dort liegt auch die Grenze des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) und des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Heute Abend bringen die Stadtverordneten eine Resolution auf den Weg, die sich an die beiden Verbunde und den Kreis richtet. Die Fraktionen haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Das Ziel: Das große Preisgefälle reduzieren. Laut Resolutionsentwurf kostet eine Monatskarte ins Rhein-Main-Gebiet ab Frankenberg über hundert Euro mehr, als ab dem ersten Bahnhof im RMV-Gebiet: Münchhausen. Zum Vergleich: Tägliches Pendeln von der Ederstadt in die Gemeinde hinter der Kreisgrenze kostet mit einem durchschnittlichen Benziner in einem durchschnittlichen Monat derzeit knapp 45 Euro - bei Fahrgemeinschaften anteilig weniger.

„Parkplätze überflüssig“

„Würde diese unterschiedliche Preisstruktur auch in Zukunft beibehalten werden, wären die Park-and-Ride-Parkplätze am Frankenberger Bahnhof weitgehend überflüssig“, heißt es nüchtern in der Resolution. Das erkennt auch der NVV: „Das trifft alle Gemeinden, die an den Grenzen der Preiswaben liegen“, sagt Pressesprecherin Sabine Herms. Ähnliche „Ungerechtigkeiten“ gäbe es etwa auch in Schwalmstadt. Das Problem sei erkannt. Und auch, wenn die Beteiligung des Verkehrsverbunds an der Umfeldneugestaltung sowie die Festlegung der Tarif grundsätzlich nichts miteinander zu tun hätten, werde an diesem Problem gearbeitet. „Im Falle Frankenbergs macht die derzeitige Struktur natürlich besonders wenig Sinn“, erkennt Herms an.

Eine Änderung der Tarifstrukturen, insbesondere in den Grenzgebieten von NVV und RMV, sei bereits angestoßen. „Das ist beim RMV angesiedelt, da Tariffestsetzungen dort stattfinden“, berichtet sie aus der Zusammenarbeit der beiden hessischen Verbunde. Für die Frankenberger, Burgwalder und die Pendler aus dem übrigen Gebiet des Altkreises hat sie eine gute Nachricht: „Wir gehen von deutlich faireren Strukturen aus“.

Zeithorizont von drei Jahren

Doch zur Fairness gehört auch das Bekenntnis: „Wir reden von einem Zeithorizont von zwei bis drei Jahren“, sagt Sabine Herms. Es gehe eben nicht nur um eine Anpassung der Preise, sondern auch um Technik, Software - „da bewegt man nicht ein Steinchen, sondern tausende“, bekennt sie.

Und es geht eben auch nicht nur um Frankenberg, sondern um dutzende Städte und Gemeinden entlang der Verbundgrenzen, teilweise auch innerhalb der Verbunde, bei internen Tarifgrenzen. „Wir müssen aufpassen, dass es auf der anderen Seite nicht zu Verwerfungen kommt“, deutet die Pressesprecherin die Komplexität des Verfahrens an.

Sehr wahrscheinlich ist es also, dass eine Tarifreform erst nach der Wiedereröffnung der Bahnstrecke nach Korbach greift.

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