Kreissynode: Segnung homosexueller Paare in die Trauagende aufnehmen

+

- Rosenthal/Frankenberg (sr). Pfarrerin Monika Dersch-Paulus aus Röddenau und Pfarrer Jörg Mosig aus Haina haben sich dafür stark gemacht, dass die Segnung homosexueller Paare in die Grundformen der Trauagende aufgenommen wird. 37 Mitglieder der Kreissynode stimmten dafür, 12 votierten dagegen und 9 enthielten sich.

Eine lange Diskussion war der Abstimmung vorausgegangen. Ursprünglich hatte das Thema Segnung homosexueller Paare gar nicht auf der Tagesordnung für die Sitzung am Freitag in Rosenthal gestanden. Doch nachdem Pfarrer Heinrich Giugno und Pfarrer Christoph Holland-Letz die seit 2006 von der liturgischen Kammer der Landeskirche erarbeite neue Trauagende vorgestellt hatten, meldeten sich Pfarrerin Monika Dersch-Paulus und Pfarrer Dr. Jörg Mosig zu Wort und erklärten, dass sie die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der neuen Trauagende vermissen würden.

Propst: „Keine Trauung“

Propst Wöllenstein gab bekannt, dass der Landessynode bereits ein Ergänzungsantrag des Kirchenkreises Gelnhausen vorliege. Nach der Abstimmung bei der Kreissynode in Rosenthal erhält die Landessynode nun auch einen entsprechenden Ergänzungsantrag vom Kirchenkreis Frankenberg. Wöllenstein betonte dazu, dass die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nur im Rahmen der Seelsorge erfolge, aber keine Trauung darstelle.

Mosig: „Kein Unterschied“

Mosig widersprach: „Ich verstehe den Unterschied zwischen Trauung und Segnung im protestantischen Sinne nicht.“ Es gebe „einen gewissen Abstand“ der Kirche gegenüber der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare, ergänzte der Propst. Im Übrigen sei kein Pfarrer nach seiner Ordination dazu verpflichtet, eine solche Segnung vorzunehmen.

Pfarrerin Dersch-Paulus gab zu bedenken, dass auch Ehejubiläen keine erneute Trauung darstellten und trotzdem in der Trauagende geregelt seien. Sie beantragte deshalb die Ergänzung der Grundformen der Trauagende um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in eingetragenen Lebenspartnerschaften – mit Erfolg.

Die neue Trauagende der Landeskirche versucht, den veränderten Lebenssituationen heutiger Paare zum Zeitpunkt ihrer Trauung gerecht zu werden, hatten die Pfarrer Giugno und Holland-Letz vorher berichtet. Das rund 100-seitige Regelwerk sieht bislang insgesamt fünf Grundformen vor, die dem Liturgen auch Freiräume für eigene Gestaltungen lassen. Die erste Grundform umfasst die paar- und familienbezogene Trauung. In der zweiten Grundform werden Trauung und Taufe gleichzeitig vorgenommen. Die Grundform drei sieht eine Trauandacht für Paare vor, die schon länger standesamtlich verheiratet sind und nicht auf den Segen für ihre Beziehung verzichten wollen. In der Grundform vier wird die gemeinsame Trauung von gemischtkonfessionellen Paaren geregelt. Die Grundform fünf umfasst die Ausgestaltung von Ehejubiläen.

Holland-Letz: „Kuriositäten“

„Es gibt so skurrile Wünsche und Kuriositäten von Paaren, da kann man nur staunen“, berichtete Pfarrer Holland-Letz aus der Praxis. Er schlug einige Anmerkungen als Stellungnahme der Kreissynode an die Landessynode vor. Die Landessynode stimmt auch über den Ergänzungsantrag der Kreissynode ab, wonach es mit der Segnung homosexueller Paare eine sechste Grundform in der neuen Trauagende geben sollte.

Kommentare