Bernd Gieseking hielt in der Ederberglandhalle satirisch Rückblick auf 2010

Krisen in Salz und Asche

Mit Wortwitz und scharfer Zunge: So ließ der Kabarettist Bernd Gieseking das abgelaufene Jahr mit seinem Soloprogramm in der Ederberglandhalle noch einmal vorüberziehen. Foto:  Völker

Frankenberg. Das Jahr 2010 mit seinen herausragenden Ereignissen und Figuren war ein Spitzenjahr für Kabarettisten wie Bernd Gieseking. Manchmal brauchte er mit verschmitztem Gesicht nur Namen fallen zu lassen wie Jörg Kachelmann, Daniela Katzenberger oder Erika Steinbach – und das Publikum war auch ohne explizite Pointe höchst amüsiert. Zwei Stunden lang unterhielt der Kabarettist mit seinem satirischen Jahresrückblick „Ab dafür“ in der Ederberglandhalle seine Zuhörer in gastlicher Club-Atmosphäre.

Pastillen gegen Hustenreiz

Gemeinsam eingeladen hatten zu dem Soloprogramm der Kulturring und die Stadtbücherei Frankenberg, dessen Leiterin Barbara Manke den aus Ostwestfalen stammenden Autor und Kabarettisten bereits als vertrauten Gast in der Ederberglandhalle begrüßte. Spontan musste er an diesem Abend einige Male reagieren: Er kämpfte mit einem ausfallenden Mikrofon, mit Pastillen gegen Hustenreiz, entdeckte am Ende aber auch zu seiner großen Freude im Publikum einen alten Studienfreund.

Da war von eigenartigen Krisen die Rede, von einem harten Winter mit gesperrten Autobahnen wegen Streusalzmangel (Bild: „Die weiße Angst“), von der Aschewolke des Eyjafjallajökull, von Bombendrohungen und Politiker-Rücktritten.

Immerhin hatte Bernd Giesekind auch ein Lob für die gebeutelte Deutsche Bahn parat: „Die ICE-Züge waren durch die Aschepartikel aus Island überhaupt nicht beeinträchtigt, wo doch sonst schon Schnee, Regen und Dunkelheit den Bahnverkehr empfindlich stören können!“

Immer wieder führte Gieseking die Zuhörer in seine vertraute, aber spracharme ostwestfälisch Stammkneipe „Fischlounge“, wo sein Dichterfreund Karl im Mai reimte: „Kaum half bei Lena unser Beten – war Köhler schon zurück getreten.“ Oder zur Ölkatastrophe: „Ist dein Autotank mal leer, dann tanke direkt aus dem Meer.“

Als Wikileaks seine Enthüllungen ins Netz stellte, war dem Kabarettisten klar: „Moment mal – das sind ja meine Texte!“ Er formuliere aber besser und habe deshalb beschlossen, sich als US-Diplomat zu bewerben.

Karl-Theodor zu Guttenberg als „Mann des Jahres“, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der „russischste Deutsche seit Iwan Rebroff“, Angela Merkel, die „Atomkraftwerke unter Artenschutz“ gestellt hat – keiner blieb ungeschoren. Ausdrücklich als „heldenhaft“ lobte Gieseking Norbert Röttgen, der Westerwelle für „irreparabel geschädigt“ erklärt hatte. „Röttgen hatte Recht und sich trotzdem entschuldigt!“ Werte-Diskussion und Sarrazin-Debatte, Fußball-Weltmeisterschaft, Schimpfkanonaden von Opposition und Koalition, Ärzte und Gesundheitswesen, nichts und blieb von dem versierten Kabarett-Chronisten sicher.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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