Hallenbergs Bürgermeister und Wunderthausens Ortsvorsteher gegen Anlagen

Kritik an Bromskirchener Windkraftplänen

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Bromskirchen - Hallenbergs Bürgermeister Michael Kronauge blickt beim Neujahrsempfang immer auch in die Zukunft. Wenig erfreut ist er über den geplanten Windpark in Bromskirchen. Auch aus dem Bad Berleburger Orsteil Wunderthausen kommt Kritik.

Dass die Stadt Hallenberg nicht viel mit den Windkraftplänen ihrer hessischen Nachbarkommune anfangen kann, hatte Bürgermeister Michael Kronauge schon beim letztjährigen Neujahrsempfang deutlich gemacht. Auch in diesem Jahr sprach er das Thema an - und fand in Richtung des Planers klare Worte.

So habe Heinrich Lohmann von der Firma MLK Consulting gesagt, dass Windräder schön seien, es wären eher ältere Menschen, die gegen die Anlagen seien. Junge Leute würden sich hingegen gut anpassen. Dem erwiderte Kronauge - mit einer Prise Humor - auf Platt: „Junge, du hast sie net alle.“ Dafür gab es Applaus von den Gästen. Aus touristischer Sicht würden ihm die geplanten Anlagen beim Feriendorf - Bromskirchen-Ost - überhaupt nicht gefallen. „Dass ich darüber nicht begeistert bin, weiß Karl-Friedrich Frese, denn diese Riesendinger werden über den Kreuzberg hinausragen und von uns aus zu sehen sein.“

Das heiße aber nicht, dass die Grenzen zu Bromskirchen nun dicht gemacht würden. Kronauge verwies auch auf gemeinsame Projekte wie den Ausbildungskompass und das Anlegen der Trittsteine im Somplarer Bach als Verbindung zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Ortsvorsteher sieht Gefahr für Gesundheit

Kritik kommt auch aus Bad Berleburg, dabei geht es allerdings um den bereits bestehenden Windpark Bromskirchen-West und ein mögliches Repowering. In einer siebenseitigen Stellungnahme äußert der Wunderthäuser Ortsvorsteher Martin Schneider erhebliche Kritik an den Bromskirchener Planungen, den Flächennutzungsplan wegen Windkraftansiedlung zu ändern (FZ berichtete).

Schneider bezieht seine Kritik auf den Windpark oberhalb der Bad Berleburger Ortschaft, zu dem er bereits Anfang des vergangenen Jahres Bedenken bei der hessischen Nachbargemeinde angemeldet hatte. Die dort vorhandenen fünf Anlagen sollen nach Vorstellungen des Investors durch größere ersetzt werden, die in 600 Meter Abstand von Außengehöften und 1000 Meter vom Dorf errichtet werden sollen. Schneider fordert den Abbau der vorhandenen Windräder und die Einstellung weiterer Planungen.

Bereits seit der Errichtung der vorhandenen Anlagen leiden die Bürger laut Schneider unter ständiger Immissionsbelastung. Insbesondere bei starkem Ostwind komme es zu pfeifenden und heulenden Windgeräuschen, die von nahezu allen Bürgern der Ortschaft als störend empfunden würden. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich die Lärmbelästigung durch neue Anlagen, die mehr als doppelt so hoch sind, verringern werde. Gleichzeitig weist Schneider auf das Missverhältnis der Mindestabstände hin: Die fünf bestehenden Anlagen würden nur 220 Meter von der ersten Wohnbebauung entfernt stehen. An der Zulässigkeit habe es schon seinerzeit Zweifel gegeben. Heute gelten ohnehin andere Vorgaben. Bei den neuen Anlagen sollen es laut Planer 600 Meter sein. Gehe man aber von der dreifachen Anlagenhöhe aus, müssten es 660 Meter sein, argumentiert der Ortsvorsteher.

Schneider befürchtet nicht nur nachhaltige Gesundheitsschäden für die Bürger durch Infraschall. Auch für Natur- und Artenschutz sowie für den Tourismus sieht er durch die Planungen in der Nachbargemeinde zahlreiche Nachteile für die Wittgensteiner Ortschaft.

Für Schneider ist es „nicht nachvollziehbar, warum Bromskirchen mit unablässiger Vehemenz die K-Fläche West als ihr zweites regionales Vorranggebiet verwirklichen will, zudem die offenkundige mehrheitliche Ablehnung dieses Vorhabens durch die Wunderthäuser Bevölkerung mehrfach deutlich geworden ist“.

Ob bei Wunderthausen überhaupt neue Anlagen errichtet werden, ist ohnehin offener denn je. Die Fläche ist nicht Bestandteil des überarbeiteten Teilregionalplans Nordhessen. Auch Bürgermeister Karl-Friedrich Frese äußerte gegenüber der Frankenberger Zeitung zuletzt Zweifel über eine Umsetzung des Projekts.

Von Karl-Peter Rasche und Tobias Treude

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