Kritik an Verschieferung der Viermündener Fachwerk-Kirche

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Fotomontage: Mit diesen Vorher-Nachher-Fotos zeigt Dr. Mike Schwarz, wie die Petri-Kirche nach der Verschieferung des Ostgiebels aussehen könnte.

Viermünden. Das Fachwerk am Ostgiebel der Petri-Kirche in Viermünden soll verschiefert werden. Das hat der Kirchenvorstand beschlossen. Daran gibt es nun Kritik.

Das Ja des Kirchenvorstandes zur Verschieferung hat auch finanzielle Gründe: Denn nur die Verschieferung von Fachwerkkirchen wird von der Landeskirche Kurhessen-Waldeck komplett gefördert (wir berichteten). In Viermünden sind das 12.500 Euro. Das Fachwerk zu sanieren, würde 16.000 Euro kosten und nicht gefördert werden.

Die Verschieferung hat noch einen Grund, erzählt Pfarrer Wolfgang Houska: „Wir haben seit Jahren Probleme mit Bienen und Wespen, die über den Ostgiebel oberhalb der Empore in die Kirche eindringen. Alles, was wir dagegen versucht haben, war erfolglos. Das Fachwerk ist löchrig wie ein Schweizer Käse.“ Deshalb soll ein Schutzgitter angebracht werden. „Die Verschieferung ist der logische zweite Schritt“, sagt Houska.

Der Kirchenkreis der Eder habe diese beiden Maßnahmen genehmigt, sagt Heinrich Jammer vom Bauausschuss des Kirchenkreises. Zudem sollen die Strebenpfeiler am Fuß der Kirchenmauern, die die Drucklast aufnehmen, instandgesetzt werden. „Wir stecken 70 000 Euro in dieses Gebäude“, sagt Jammer.

Kritik an der Verschieferung kommt von Dr. Mike Schwarz, einem ehemaligen Viermündener. In einer Mail an die HNA fragt er: „Liebe Vermsche, wollt ihr das wirklich? Gibt es keine Alternativen, unsere Kirche in ihrem jetzigen Erscheinungsbild zu erhalten?“ Dazu hat Schwarz eine Fotomontage gemacht, die zeigt, wie die Kirche mit verschiefertem Ostgiebel aussehen könnte.

„Fachwerk unterliegt einer permanenten Kontrolle und Nachbesserung, sonst ist es in 50 Jahren weggefault“, sagt Fachmann Heinrich Jammer. „Mit Schiefer haben Sie 70 Jahre Ruhe - ohne weitere Kosten.“

Jede Kirchengemeinde könne frei entscheiden, sofern sie es selbst bezahlen könne. Das wird in Viermünden schwierig: „In der Kirche müssen irgendwann auch Heizung und Elektrik gemacht werden, auch das Gemeindehaus und das Pfarrhaus sind renovierungsbedürftig“, sagt Petra Röhle vom Kirchenvorstand. Allein eine Innenrenovierung der Petri-Kirche würde 200 000 Euro kosten, schätzt Jammer.

Es gehe bei der Verschieferung ja auch nur um den Ostgiebel, der von der Straße kaum einzusehen sein, sagt der Kirchenvorstand. Auch der Glockenturm und andere Fachwerkhäuser in der Nachbarschaft seien verschiefert. Und unter dem Schiefer sei das Fachwerk ja auch nicht verloren, sondern werde sogar erhalten. „Wir machen das Gegenteil von Bischof Tebartz-van Elst in Limburg“, sagt Robert Schmidt vom Kirchenvorstand: „Wir gucken nicht auf Äußerlichkeiten, sondern machen die günstigste und nachhaltigste Lösung.“

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Quelle: HNA

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