Frankenau

Kubat: „Emotionen nicht von uns“

- Frankenau (jos). Mit dem zweiten Q-Fieber-Fall in Frankenau ist eine Diskussion über die Kommunikationsstrategien entfacht. Im Bauausschuss des Kreistages, der auch für Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig ist, hat Dieter Schaake (SPD) die Frage aufgeworfen, ob das Thema nicht ruhiger hätte behandelt werden können.

„Wir sind damit einmal mehr hessenweit bekannt geworden“, verwies Schaake in der Sitzung am Montag auf die Negativschlagzeilen. Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf antwortete: „Wir sind uns alle auch mit dem Bürgermeister einig, dass das Verfahren fach- und sachgemäß abgelaufen ist.“ Der Frankenauer Rathauschef Björn Brede sei informiert worden, als klar gewesen sei, dass sich das Regierungspräsidium Darmstadt nicht davon abbringen ließ, die möglicherweise am Q-Fieber erkrankten, trächtigen Schafe zum Ablammen von Mittelhessen nach Frankenau bringen zu lassen.

„Der Bürgermeister hat sich daraufhin verpflichtet gesehen, die Bevölkerung zu informieren. Daraus hat sich diese Dynamik entwickelt“, sagte Deutschendorf. Landrat Reinhard Kubat ergänzte: „Die Emotionen sind nicht von uns hereingebracht worden.“ Deutschendorf ist überzeugt, dass es möglich gewesen wäre, die Tiere in Mittelhessen aufzustallen. „Das hätte uns allerdings nicht weitergebracht, denn die zweite Herde befindet sich seit Oktober 2010 in Frankenau“, räumte er ein.

Einen Tag bevor die trächtigen Schafe aus dem Raum Gießen nach Frankenau gebracht worden sind, hatte Deutschendorf bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz betont, dass Frankenau „Q-Fieber-frei“ sei und der Landkreis den Tiertransport deshalb zu verhindern versucht habe. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat der Begriff „Q-Fieber-freie Region“ allerdings schon vor der Bestätigung des zweiten Q-Fieber-Falls in Frankenau bei Experten für Kopfschütteln gesorgt.

Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes haben Deutschendorf und Brede nach eigener Aussage schon frühzeitig darauf hingewiesen, dass der Erreger viel weiter verbreitet sei, als gemeinhin angenommen wird. „Man kann nicht davon ausgehen, dass eine Region Q-Fieber-frei ist, nur weil noch kein Fall nachgewiesen worden ist“, sagte Bettina Elsner vom Veterinäramt am Montag auf WLZ-FZ-Nachfrage. Damit stieß sie in das gleiche Horn wie ihr Kollege Ralf Nöchel, der gegenüber dieser Zeitung am Sonntag über die zweite infizierte Schafherde sagte: „Es handelt sich um eine typische Naturherdinfektion“. Das Bakterium sei in der Wildpopulation vorhanden, die Zecken seien Überträger. „Deshalb ist es auch falsch, immer nur auf den Schafen herumzuhacken. Keine Region Deutschlands kann sich Q-Fieber-frei nennen.“

Waren die ganze Aufregung und der Protest in Frankenau also übertrieben und völlig umsonst? Dazu gehen nun die Meinungen auseinander.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Mittwoch, 21. September.

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