In Löhlbachs letztem Milchviehbetrieb werden sie zu Fuß auf Weidegang begleitet

Kühe kennen ihren Weg

Nadja ist wieder die Letzte: Den langsamen Gang ihrer Kuh nimmt die Löhlbacher Nebenerwerbslandwirtin Andrea Schüssler mit Humor. Foto: Faust

Löhlbach. Nadja ist heute Nachmittag wieder die Letzte. Doch das scheint weder sie selbst, noch ihre Halterin Andrea Schüssler zu stören. „Schließlich passen nicht 21 Tiere gleichzeitig durch die Stalltür“, scherzt die Nebenerwerbslandwirtin. Außerdem halten die Milchbäuerin und Milchkuh Nadja nur etwa 20 Meter Abstand zum Rest der Gruppe auf der insgesamt 1,5 Kilometer langen Strecke zwischen Stall und Weide.

Zwei Mal pro Tag

Diese Strecke gehen die Milchkühe des Löhlbacher Traditionshofes während der Weidesaison von Mai bis Oktober zwei Mal täglich. Nachts sind die Tiere im Stall, wo sie morgens und abends gemolken werden. „Die Kühe gehen den Fußweg gern und aus freien Stücken“, berichtet Andrea Schüssler aus ihren täglichen Beobachtungen und erklärt: „Sie sind daran gewöhnt, während der Vegetationsperiode morgens auf eine saftige Wiese gebracht zu werden, auf der sie sich rundum satt fressen können.“ Und auch den Rückweg gingen sie bereitwillig mit, weil sie ja wüssten, „dass nach der Ankunft am Hof die Euter ausgemolken werden, die sich im Tagesverlauf mit Milch gefüllt haben und schwer geworden sind“.

Das Begleiten der Tiere geschieht in Abstimmung unter den Familienmitgliedern. Meistens wird diese Arbeit aber, so wie auch an diesem Tag, von Andrea Schüssler und ihrer Mutter Fredlinde Hesse erledigt. Gemeinsam fahren die beiden im Quadt zur Weide im Löhlbacher Mühlengrund.

Nach dem Öffnen des Elektrozaunes werden die Kühe von der Jungbäuerin Andrea und ihrem Border- Collie „Strolch“ zusammengehalten. Indes begibt sich Mutter Fredlinde mit ihren Quad wieder auf den Rückweg, um die Strecke für die Tiere freizuhalten und um die eine oder andere Weggabelung kurzfristig mit einer Litze abzusperren. In der fünfköpfigen Familie, zu der die Eltern von Andrea Schüssler, ihr Ehemann sowie ein inzwischen erwachsener Sohn gehören, werden die notwendigen Arbeiten in der Landwirtschaft je nach der zeitlichen Verfügbarkeit aufgeteilt. Schließlich bleibt die Landwirtschaft ein Nebenerwerb, und auch Milchbäuerin Andrea arbeitet noch in Teilzeit als Krankenpflegerin im Bad Wildunger Stadtkrankenhaus. Das Treiben der Tiere erfordert Erfahrung im Umgang und hohe Konzentration. „Die Tiere benötigen Ruhe und sie vertragen keine Hektik“, berichtet die Nebenerwerbslandwirtin. „Wenn man sich daran hält und als Mensch das richtige Verhalten zeigt, dann ist der tägliche Umtrieb eher wie ein kleiner Spaziergang.“

Von Gerd Faust

Quelle: HNA

Kommentare